Matt vs. Internet

5. April 2009

Brodaganda ist normalerweise kein Blog, welches lediglich fremde Inhalte wiederveröffentlicht. Im folgenden aber ein Artikel aus dem Blog der Zeitrafferin. Einerseits weil es sich als kleines Lebenszeichen zwischendurch anbietet. Andererseits weil es immer noch Idioten gibt, die das Internet nicht begriffen haben und Satire verbieten wollen – oder mit einem simplen Rechtsanwaltsschreiben an die Gegenkampagne die Reichweite der RWE-Werbung vergrößern wollen? Ist mir auch egal, da sollen sich anderen den Kopf drüber zerbrechen. Übrigens: was ist ein Anwalt auf dem Grunde des Ozeans mit einem Betonklotz an den Füßen? Ein guter Anfang.

Eine unterstützenswerte Aktion von .ausgestrahlt: RWE bzw. deren Werbeagentur Jung von Matt – deren Anwalt übrigens „Herr Unsinn“ heißt, das ist kein Witz! – will verhindern, dass urgewald weiterhin eine Satire-Werbung zu RWEs Schummel-Ökostrom veröffentlicht hält.


Hilf mit, die Werbungs-Satire weiter zu verbreiten und den Angriff auf die Meinungsfreiheit abzuwehren!

Das umstrittene Motiv - Bloggt es!

Das umstrittene Motiv - Bloggt das Atom-Trio!

Die Aufklärung über das dubiose RWE-Angebot „ProKlima Strom“ durch .ausgestrahlt und die Umweltorganisation urgewald gefällt dem Atomkonzern ganz sicher nicht. Nun droht die RWE-Werbeagentur Jung von Matt mit Schadenersatzforderungen, Strafanzeige, Anwalts- und Gerichtskosten, falls urgewald das oben abgebildete Motiv weiter verwendet. Aber natürlich gehe es nicht darum, „Ihre Vereinsarbeit zu behindern, Ihrem Verein die Äußerung einer Meinung zu verbieten oder Ihren Verein mit Kosten zu belasten“, schreibt Herr Unsinn, Anwalt der RWE-Agentur…

Mitmachen: Das Atom-Trio bloggen

Mehr zu der Aktion erfahren bei .ausgestrahlt

Reaktionen

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Judenfeindliche Israelsolidarität

11. Februar 2009

Die Gegenstimme ist gar nicht tot. Sie lebt aber auch nicht. Irgendwo dazwischen führt sie nun eine Zombie-Existenz, untot gehalten von unglaublich schlechten Ersatzschreibern. Im Grunde gibt es keinen Grund, dort vorbei zu schauen. Wer allerdings Zweifel daran hegt, mit welch hasserfüllten Fanatikern sich Antideutsche auf sog. Israel-Solidaritätsdemonstrationen zusammenfinden, der kann hier fündig werden:

An Jesus Christus wirst Du, Israel, nicht vorbei kommen! Niemand kann Dir helfen, als Er allein. Solange Du Ihn, den Jeshua Mashiach, ablehnst, machst Du Dir das Leben unnötig schwer!

So sind sie, unsere Freunde von der Judenmission. Existenzrecht für Juden, ja, aber nur unter der Bedingung, dass es keine Juden sind.  Es ist ein altes Ziel, was sie nicht aufgeben möchten. Der württembergische Landesrabbiner Joel Berger formulierte es so:

„Die Judenmission ist für mich Fortsetzung des Holocaust mit anderen Mitteln.“

Nun macht es die Antideutschen natürlich noch nicht automatisch zu Verfechtern der Juden-Ausrottung, wenn sie Seite an Seite mit solchen Gestalten mit ihrer perversen Art der Israelsolidarität demonstrieren. Aber die Tatsache, sich in einem Bett mit diesen Antisemiten wiederzufinden, sollte ihnen eigentlich zu denken geben. Eigentlich. Aber denken war ja noch nie die Stärke von Fähnchenschwenkern.

Update: Dankenswerterweise stellt NUB Platz für eine ausführliche Diskussion bereit, ob es sich bei der Gegenstimme tatsächlich um Antisemiten oder lediglich um religiöse Eiferer handelt (Kommentarbereich beachten). Dort begründe ich auch nochmal in verständlicherer Form meine Einschätzung. Die dafür genutzten Argumentationsmuster werden in dieser Form häufig von sog. israelsolidarischen Blogs verwendet und entziehen sich damit bequemerweise jeder Kriktik:

Es geht doch darum, dass die Erklärung der Selbstmordanschläge durch das Verhalten der Juden sowohl ein antisemitischen Klischee ist (die Juden sind selbst Schuld am Antisemitismus), als auch als Rechtfertigung der Anschläge gewertet wird. Jedenfalls, wenn es sich um einen deutscher Israelkritiker handelt, der die Besatzung als Ursache für die Anschläge ausmacht. Genau das gleiche wie für deutsche Israelkritiker muss aber auch für die Gegenstimme gelten, wenn sie die Nichtkonvertierung der Juden als Ursache für die Anschläge ausmacht. Da muss einfach identisches Verhalten identisch beurteilt werden.

Opfer sein für Anfänger

27. Januar 2009

Der letzte Beitrag „Hasserfüllte Fanatiker“ hat tatsächlich dazu geführt, dass sich ein solcher angesprochen fühlte (via Wendy). Und wie immer, wenn dieses Klientel sich in Rage redet, ist das entlarvend genug:

Wenn dann der deutsche Mob eben diese verhaut, die antisemitische Demonstrationen als Anlass zum Protest nehmen […] dann freust du dich und schreibst es ihnen selbst zu, so haben sie ja provoziert. Die Deutschen wussten schon immer genau, dass die Juden selbst Schuld am Antisemitismus sind, so wie du genau weißt wer für die Gewalt gegen Antideutsche und Israelsolidarische ist: Genau, sie selbst!

Da haben wir es also: mit den Antideutschen ist es ja im Prinzip so wie mit den Juden. Egal ob Opa bei SS, Wehrmacht oder Topf&Söhne war, das braucht den Antideutschen nicht mehr zu kümmern, denn jetzt ist er ja Jude. So wie Kampfhundbesitzer und Manager auch. In trauter Eintracht werden die Nachkommen der Täter nun Opfer, „genau wie die Juden“. Noch schöner wird es nur, wenn man dazu noch die historische Schuld großzügig bei anderen entsorgen kann. Man braucht selbst kein Täternachfahre mehr sein, wenn man das auch einfach den Museln zuschreiben kann, diesen Nazis. Vergangenheit abstreifen leicht gemacht. Hier liegt wohl der Schlüssel zum Verständnis der antideutschen Bewegung.

Wer noch zweifelt, wie diejenigen ticken, die sich so gern über die ihnen vom antisemitischen Mob drohende Gewalt  beschweren, der sollte sich den folgenden Kommentar in einem Blog durchlesen. So klingt es dann, wenn sich unsere tapferen Israelfahnen-Schwinger nicht gerade zum Opfer stilisieren:

# agent orange sprach am 5. Januar 2009 um 13:46h

hey [Name entfernt…], du alter antisemit. wir werden dich mal zeitnah in der ilsestr. besuchen. daher raten wir dir: spring lieber von der brücke bei dir um die ecke. am ende wird es so oder so nach selbstmord eines geisteskranken aussehen. also spring, [Name entfernt…], spring. so ersparst du dir jede menge leid und wir brauchen uns dein gewinsel um gnade nicht mehr anhören.

Hasserfüllte Fanatiker

20. Januar 2009

Es gilt natürlich weiter, was Brodaganda schon immer gesagt hat: Der Staat Israel ist ein liebenswerter, interessanter Staat in einer schwierigen Lage – nur seine deutschen Verteidiger sind gemeingefährliche Irre, die in Sachen Tugendterror locker selbst islamistische Organisationen in den Schatten stellen würden, wenn man ihnen nur genügend Macht dazu in die Hand geben würde.

Solidarität mit Kuba, Liechtenstein, Taka-Tuka-Land oder gerade eben auch Israel ist politisch eine feine Sache. Auf der menschlich-individuellen Ebene wiederum muss man ein wirklich zynisches Arschloch sein, wenn man Leuten, deren Verwandte gerade in den palästinensischen Gebieten getötet werden, unbedingt mit der Nationalflagge desjenigen Staates im Gesicht rumfuchteln muss, der sie getötet hat. Es ist traurig, aber kaum verwunderlich, wenn manche sogar meinen, derart sadistischen Geistern könnte man nur mit einer Tracht Prügel aus ihrer pubertäten Phase helfen.

Nun ist es natürlich das Recht eines jeden, in den Wunden der Palästinenser nochmal richig tief die Finger rumzudrehen. Aber wirklich ekelhaft ist die Doppelmoral, die dieses Klientel an den Tag legt, wenn andere auch mal Rechte für sich in Anspruch nehmen möchten:

Tatsächlich zeigten die Demonstranten mit ihren anti-israelischen Parolen, den Palästina-Flaggen, die sie haufenweise mit sich trugen, und einer Fahne der Hamas, deren Präsenz die letzten Zweifel darüber ausräumte, dass sie keineswegs der Wunsch nach “Frieden” auf die Straße trieb, sondern die klare Parteinahme für den Terrorkrieg gegen Israel.

Es mögen bestimmte Parolen und die einsame Fahne der Hamas zu kritisieren sein. Aber interessant ist, was den Demonstranten eben auch nicht zugestanden werden soll: der Wunsch nach einem Staat Palästina an der Seite Israels gemäß UN-Teilungsplan, der mit dem „haufenweisen herumtragen“ der palästinensischen Fahne ausgedrückt wird. Mit der Negierung des Rechts auf einen Staat Palästina einher geht der Traum national frustrierter (Anti-)Deutscher von einem Groß-Israel als Surrogat für den eigenen Nationalismus.

Dabei ist den selbsternannten Verteidigern Israels, die sich so gern als Opfer der Gewalt stilisieren, die ihnen angeblich vom Mob drohen würde, der Wunsch deutlich anzumerken, dieses gefühlte Verhältnis umzudrehen und selbst einmal ordentlich Gewalt auszuüben:

Die Organisatoren der Demonstration haben von der Hamas gelernt, wie man “palästinensische Familien” als Schutzschilder benutzt, indem sie ihre mörderischen Absichten hinter derer demonstrativer Unschuld verbergen. Bei den Hamas-Demonstrationen, die bereits in den vergangenen Wochen überall in Deutschland stattgefunden haben, spiegelte sich dieser Geist schon in der Form ihres Auftretens wider: Frauen und Kinder zuerst.

In die gleiche Kerbe schlägt die LJG Perusch:

Die anderen durften unter dem Schutz der Polizei weiter marschieren und ihre hasserfüllten Parolen skandieren.

Von welcher Gewalt gegenüber den Teilnehmern einer palästinensischen Demonstration muss man denn träumen, um auf den Gedanken zu kommen, diese würden sich hinter „Frauen und Kindern verstecken“? Von welchen Gewaltphantasien muss man getrieben sein, um ernsthaft der „Schutz“ der Demonstranten durch die Polizei zu bemängeln? Ohne von einem Angriff auf die Demonstranten zu phantasieren, ist der Schutz durch die Polizei völlig irrelevant, wie selbst ein wohlgesonnender Kommentator bemerkt hat.

Politically Incorrect für Israel

Da ist es folgerichtig kein Wunder, dass das rechte Blog „Politically Incorrect“ und die fundamental-religiöse „Partei Bibeltreuer Christen“ gern gesehene Gäste auf den Demonstrationen dieser Szene sind. Zur Erinnerung: Der Kommentarbereich von PI zieht Holocaustleugner an und die PBC möchte Juden durch christliche Missionierung ausrotten. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis ein findiger Reiseveranstalter auf die Idee kommt, Pauschalreisen nach Nahost anzubieten, damit brave Deutsche endlich wieder über Raketeneinschläge jubeln können. Hinter dem Ruf nach Solidarität mit Israel verschanzen sich hasserfüllte Fanatiker.

Einige meiner besten Freunde sind Kriegskritiker

17. Januar 2009

Immerhin hat ein glücklicher Umstand nun zunächst die weitere Watchblog-Tätigkeit Alan Poseners sowie sein Zerwürfnis mit der Achse verhindert: der Gaza-Krieg. Das Gute an Kriegen: der Burgfrieden festigt eine Gruppe nach innen und verhindert interne Kritik. Gut für Brodaganda.

Nun hat sich Posener thematisch dem Krieg zugewandt. Um nicht als Springer-Autist zu erscheinen, setzt sich Posener zunächst einmal damit auseinander, was die Leute so reden:

Ich bin ja ein Springer-Journalist und wie alle Welt weiss, dürfen wir Springer-Journalisten Israel nicht kritisieren.

Aber Posener kann dieses unhaltbare Klischee glücklicherweise sofort als „Bullshit“ entlarven:

Und so heisst es ja auch in der Welt am Sonntag von Seiten des Chefredakteurs Thomas Schmid: „Wo Israel Fehler macht – und die gibt es nicht zu knapp – muss man die israelische Politik kritisieren“. Also bitte, das geht. Zum Beispiel manche Leute in der Redaktion sind der Ansicht, Israel hätte in Gaza nicht einmarschieren dürfen.

Darf Springer Israel kritisieren?

Überzeugende Beweisführung. Aber Moment! Haben wir das nicht schon einmal woanders gehört? Richtig, wenn ein deutscher Antisemit mit dem Satz „Einige meiner besten Freunde sind Juden“ anfängt, dann kann man sich ziemlich sicher sein, dass dahinter ein großes „aber“ platziert wird und der Satz im folgenden ins Gegenteil umschlägt. Genau so ist der Satz von Chefredakteur Schmid gemeint – und auch das Gerede von den „Leuten in der Redaktion“. Wäre das anders, hätte Posener sicherlich eine tatsächliche Springer-Kritik an Israel präsentieren können. Kann er aber nicht. Netter Versuch. Von Antisemiten argumentieren lernen heisst ja nicht automatisch siegen lernen.

Anschließend erklärt Posener, was legitime Kritik an Israel von Antisemitismus entscheidet:

Wo Kritik an Israel in Antizionismus und Antisemitsmus umschlägt, das ist der Punkt wo Israel deligitimiert wird, wo Israel dämonisiert wird und wo man eine doppelte Moral in Hinblick auf Israel anwendet.

Als Beispiel führt er aus:

Klar, das auch sonst… hier:  Berliner Zeitung, zivile Opfer, natürlich sind es palästinensische Opfer, und woher die Zeitung wissen will, dass es Zivilisten sind, da die Hamas keine Uniformen trägt, keine Ahnung. Oder die Süddeutsche Zeitung: natürlich müssen es auch da wieder Kinder sein, die in einem zerstörten Gebäude spielen.

Palästinensische Kinder

Na, geht doch: Springer-Journalist Posener ganz auf Linie der Bild-Zeitung, nach der es prinzipiell keine zivilen Opfer unter den Palästinsern gibt. Und wir haben endlich an einem anschaulichen Beispiel gelernt, was Antisemitismus ist: wenn die Süddeutsche Zeitung Kinder als Kriegsopfer zeigt. So schön einfach kann man die Gräuel des Krieges weg bekommen: einfach nicht zeigen. Wegbekommen zwar nicht in der Realität, aber wenigstens in den Köpfen der westlichen Welt. Denn darauf kommt es ja schließlich an.

APO, der Achsenpolizist

16. Januar 2009

Auf Brodaganda ist es etwas ruhiger geworden. Das liegt nicht zuletzt daran, dass inzwischen ein gewisser Alan Posener die Marktlücke entdeckt hat, von der bisher Brodaganda lebte. Wie eine furiose Ein-Mann-Watchblog-Armee erledigt er die Arbeit aller existierenden und potentiellen Achgut-Watchblogs, nur besser und praktischerweise direkt auf der Achse selbst. Hau ab, APO, die Marktnische ist nicht groß genug für uns beide!

Brodaganda dokumentiert im folgenden einige Highlights von Poseners Wirken:

Wir sind die Achse der Guten, nicht die Achse der Eiferer

Das dachte ich zumindest, bis ich Geert Wilders‘ Fieberfantasien hier las. Hier sind alle Elemente vorhanden, die den europäischen Antisemitismus und zuvor den christlichen Antijudaismus auszeichneten und auszeichnen: Generalverdacht gegen eine ganze Gruppe, unabhängig vom Verhalten des Individuums; Panikmache; die Theorie einer Weltverschwörung; Eliminationsforderungen. Statt der „Protokolle der Weisen von Zion“ muss der Koran als Beweis für die Weltherrschaftspläne von Menschen herhalten, die als Wirtschaftsflüchtlinge und Asylanten (z.B. aus Bosnien und dem Kosovo, wo eine christliche Soldateska wütete) zu uns gekommen sind. Und natürlich richtet sich der Hauptstoß des Islamophoben, wie damals der Antisemiten, gegen die „liberale Elite“ Europas. […]

Wer den Antisemitismus bekämpfen will, muss auch die Islamophobie bekämpfen

[…] Zu Küntzels teilweise haarsträubenden Argumenten werde ich noch Stellung nehmen. Wie so oft in solchen Fällen nahm jedoch die Wirklichkeit die Widerlegung der Ideologie selbst in die Hand. […] In seiner Kritik an dieser Tagung und im Versuch, jede Parallele zwischen alt-neuem Judenhass und neuem Muslimhass zu leugnen, führt Matthias Küntzel einige abenteuerliche Thesen an, die – da sie im „Wall Street Journal“ abgedruckt wurden – nicht unwidersprochen bleiben sollen. […]

Stotternde Stalinisten

[…] Aber hier geht es nicht um Journalismus. Hier geht es um eine Kampagne. Hier soll jemand fertig gemacht werden. Hier herrscht ein Vernichtungswille, den man nur als stalinistisch bezeichnen kann. Und ich weiß, wovon ich rede. […]

Solidarische Kritik

[…] Ich weiß zwar nicht, wer auf diesem publizistischen Netzwerk, dessen Mitglied zu werden ich eingeladen wurde, das Legitimitätsentscheidungsmonopol besitzt, und auch nicht, wer das “Wir” ist, das hier von “unseren” Freunden spricht. Aber das hört sich doch verdammt bekannt an; als ob jemand sagen wollte: “Nun ja, Genosse Posener hat zwar heftige Kritik am Genossen Küntzel geübt, aber wir von der Leitungsebene wollen das für heute unter solidarischer Kritik verbuchen und ihm einstweilen gestatten, weiter Parteimitglied zu sein, so lange er nicht von der Generallinie abweicht.” Uff, noch einmal davon gekommen. […]

Spirit of Lingua Tertii Imperii

17. November 2008

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Manch einer kann sich anstrengen wie er will, aber er wird mit seiner Sprache immer wieder aller Welt mitteilen, wie sehr er gedanklich dem dritten Reich verhaftet ist. Das ist nicht weiter verwunderlich bei Blogs wie Politically Incorrect, welches im Juni 2008 mit der Überschrift „Keine Staatsknete für Asoziale“ aufwartete. Welche Geschichte das Wort „Asoziale“ begleitet, kann man in der Wikipedia nachlesen:

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden sogenannte ‚Asoziale‘ Opfer verschärfter Verfolgung. „Die Aktion „Arbeitsscheu Reich“ markiert den Höhepunkt der ‚Asozialenverfolgung‘ im Nationalsozialismus. Seit 1938 drängten die Wohlfahrtsämter die Polizeibehörden geradezu zur Verhaftung von ‚Asozialen‘. An die Stelle der Schikanen und der Vertreibung von Bedürftigen traten ihre Erfassung und Vernichtung. Die Sozialutopie von der endgültigen Beseitigung abweichenden Verhaltens wurde in die Tat umgesetzt. Die Aktion ‚Arbeitsscheu Reich‘ war dabei das bedeutendste Einzelereignis der NS-Politik gegen „Asoziale“. Nach dem Erlaß vom 26. Januar 1938 folgten eine Gestapoaktion am 21. April 1938 und eine Kriminalpolizeiaktion am 13. Juni 1938. Zirka 20.000 „Asoziale“ wurden in die Konzentrationslager eingeliefert.

[…]

In der DDR konnten Personen, die nach Ansicht der staatlichen Organe das gesellschaftliche Zusammenleben der Bürger oder die öffentliche Ordnung dadurch gefährdeten, dass sie sich aus Arbeitsscheu einer geregelten Arbeit hartnäckig entzogen oder der Prostitution nachgingen oder sich auf andere unlautere Weise Mittel zum Unterhalt verschafften, nach § 249 StGB-DDR zu Bewährungsstrafen oder Arbeitserziehung oder Haft- oder Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren verurteilt werden.

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Nicht weniger verwunderlich auch, wie die Überschwemmungsphantasien des Bloggers Claudio Casula von Spirit of Entebbe zu denen des dritten Reiches passen:

Man überschwemme Israel mit Millionen palästinensischer Flüchtlinge und deren Nachkommen

Claudio Casula, Deutschland, November 2008

Von Osteuropa aus überschwemmen sie nun im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts unaufhaltsam Länder und Städte Europas, ja, der ganzen Welt.

Der ewige Jude„, Deutschland, November 1940

netzgegennazisVerwunderlich höchstens, dass nur einen Klick weiter die Netzklempnerin ausgerechnet für den Kampf gegen Nazis wirbt. Aber vermutlich hat Henryk M. Broder auch einfach recht wenn er meint, dass der Kampf gegen tote Nazis leichter ist als gegen lebende. Auch eine Netzklempnerin muss ja mal ausruhen.

Anmerkung: Diesen Beitrag gibt es heute auch bei Duckhome.

Klassenkampf in its Best

12. November 2008

Brodaganda freut sich, im folgenden einen weiteren Gastbeitrag des Autors “Der Aktionär” zu veröffentlichen:

Nachschlag zum Thema Bahn. Jetzt geht es in den Tarifstreit. Ende Januar laufen die bestehenden Tarifverträge aus und wir erinnern uns gut an den schier ewig schwelenden Streit zwischen Gewerkschaft und Bahnvorstand bei den letzten Tarifverhandlungen. Die derzeitige Lohnforderung liegt bei 10% mehr Gehalt. Wow! In der IG Metallrunde gab es jüngst die Forderung von 8% mehr Lohn und schon da habe ich gedacht: „Rezession? Wirtschaftskrise? Nicht bekannt?“

Aber egal, man kann es natürlich genau mit Rezessionsängsten erklären. Die Angst vor dem Schwund der Kaufkraft wird mit höheren Lohnforderungen beantwortet. Aber nicht nur das. Nein, auch gerade weil sich Arbeitnehmer in Zeiten der brummenden Wirtschaft zurückhalten sollten und es ja faktisch getan haben, gerade darum wollen sie jetzt, da sich Manager die Taschen voll stopfen, eine ordentliche Portion von dem gemeinsamen Kuchen abbekommen.

Und tatsächlich sagte der Transnet-Vorsitzende Alexander Kirchner, dass bei den aktuellen Lohnforderungen die jüngste Debatte um die Bonuszahlungen der Bahnmanager eine wesentliche Rolle gespielt habe.

Tja, Gier frisst Hirn, sag ich da nur.

Blame-Bush-Experten unter sich

11. November 2008

Während die Öffentlichkeit noch über Banker und Börsen lästert, wird immer deutlicher was der wahre Verursacher dieses Sturms gewesen ist: George Bushs Irakkrieg, seine gewaltigen Kosten und die Abwälzung derselben in die Schuldenindustrie. Die aggressive Niedrigzinspolitik von Bushs Zentralbank in Kriegszeiten löste einen Debitoren-Tsunami aus, den wir heute alle bezahlen müssen.

Wolfram Weimer, Die Krise des Krieges, macht George Bush für das Übel der gegenwärtigen Kapitalismus-Krise verantwortlich

Er führt alles Übel der Welt auf George Bush, dessen Eltern, dessen Kinder, dessen Nachbarn, dessen Fußpilz, dessen Land zurück.

Wolfram Weimer, Die Brandstifter rufen Feuer, über die Unart, George Bush für alle Übel des Kapitalismus verantwortlich zu machen

(via „Achse des Guten ganz böse…“ bei „Kritik und Kunst“ und Kommentiererei bei „Volker Radke“)

Antisemit Israel

8. November 2008

In Zeiten, in denen es immer mehr Antisemitismus gibt – vom Neoliberalismuskritiker bis zum ungenügend patriotischen Juden – ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch der kollektive Jude Israel als Antisemit überführt wird. Die Gelegenheit dazu ist gerade günstig, denn jüngst deutete das israelische Außenministerium vielsagend an, Israel verfüge über ein Netz in Amerika, mit dessen Hilfe es die Nahost-Politik der demokratisch gewählten amerikanischen Regierung beeinflussen könne:

The document also noted that Israel has a „safety net“ in the form of Congress and certain friendly executive agencies, which will help to balance any problematic presidential tilt.

Brodaganda verwahrt sich selbstverständlich in aller Deutlichkeit gegen dieses antisemitische Stereotyp und hofft darauf, dass es antideutschen Deutschen gelingen möge, Israel seinen Selbsthass auszutreiben.