Archive for the ‘stürmer’ Category

Spirit of Lingua Tertii Imperii

17. November 2008

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Manch einer kann sich anstrengen wie er will, aber er wird mit seiner Sprache immer wieder aller Welt mitteilen, wie sehr er gedanklich dem dritten Reich verhaftet ist. Das ist nicht weiter verwunderlich bei Blogs wie Politically Incorrect, welches im Juni 2008 mit der Überschrift „Keine Staatsknete für Asoziale“ aufwartete. Welche Geschichte das Wort „Asoziale“ begleitet, kann man in der Wikipedia nachlesen:

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden sogenannte ‚Asoziale‘ Opfer verschärfter Verfolgung. „Die Aktion „Arbeitsscheu Reich“ markiert den Höhepunkt der ‚Asozialenverfolgung‘ im Nationalsozialismus. Seit 1938 drängten die Wohlfahrtsämter die Polizeibehörden geradezu zur Verhaftung von ‚Asozialen‘. An die Stelle der Schikanen und der Vertreibung von Bedürftigen traten ihre Erfassung und Vernichtung. Die Sozialutopie von der endgültigen Beseitigung abweichenden Verhaltens wurde in die Tat umgesetzt. Die Aktion ‚Arbeitsscheu Reich‘ war dabei das bedeutendste Einzelereignis der NS-Politik gegen „Asoziale“. Nach dem Erlaß vom 26. Januar 1938 folgten eine Gestapoaktion am 21. April 1938 und eine Kriminalpolizeiaktion am 13. Juni 1938. Zirka 20.000 „Asoziale“ wurden in die Konzentrationslager eingeliefert.

[…]

In der DDR konnten Personen, die nach Ansicht der staatlichen Organe das gesellschaftliche Zusammenleben der Bürger oder die öffentliche Ordnung dadurch gefährdeten, dass sie sich aus Arbeitsscheu einer geregelten Arbeit hartnäckig entzogen oder der Prostitution nachgingen oder sich auf andere unlautere Weise Mittel zum Unterhalt verschafften, nach § 249 StGB-DDR zu Bewährungsstrafen oder Arbeitserziehung oder Haft- oder Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren verurteilt werden.

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Nicht weniger verwunderlich auch, wie die Überschwemmungsphantasien des Bloggers Claudio Casula von Spirit of Entebbe zu denen des dritten Reiches passen:

Man überschwemme Israel mit Millionen palästinensischer Flüchtlinge und deren Nachkommen

Claudio Casula, Deutschland, November 2008

Von Osteuropa aus überschwemmen sie nun im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts unaufhaltsam Länder und Städte Europas, ja, der ganzen Welt.

Der ewige Jude„, Deutschland, November 1940

netzgegennazisVerwunderlich höchstens, dass nur einen Klick weiter die Netzklempnerin ausgerechnet für den Kampf gegen Nazis wirbt. Aber vermutlich hat Henryk M. Broder auch einfach recht wenn er meint, dass der Kampf gegen tote Nazis leichter ist als gegen lebende. Auch eine Netzklempnerin muss ja mal ausruhen.

Anmerkung: Diesen Beitrag gibt es heute auch bei Duckhome.

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Generation Schreibmaschine

1. Juli 2008

Ist ganz Deutschand technologisiert? Nein, in einem kleines Dorf auf der Achse des Guten leistet die Generation Schreibmaschine erbitterten Widerstand. Wer den Volksempfänger in seiner bestehenden Form antasten will, kriegt es mit der Wut von Wolfgang Röhl (Gastautor) zu tun. Fortschritt und Modernisierung machen ihm Angst.

Nun ist zwar inzwischen allgemein bekannt, daß die technische Grundlage des Rundfunks zunehmend durch das Internet abgelöst wird. In bester Dinosaurier-Tradition hält dies Wolfgang Röhl aber nicht für sein Problem, sondern nur für eine kurzfristige Marotte der Jugendlichen:

Weshalb die Öffentlich-Rechtlichen jetzt unbedingt ganz krass ins Internet gehen müssen, damit ihr Kids immer Zugang habt, ey!

Derart ist der Horizont von Wolfgang Röhl. Durch die sinkenden Geburtenrate gibt es doch immer weniger Jugendliche! Eine aussterbende Generation, also quasi. Wozu sich Gedanken um die Zukunft machen?

Nun mögen Nörgler meinen, der Allgemeinheit stehe im Gegenzug für ihr gutes Geld, was sie in Form von Rundfunk-Gebühren bezahlen, auch eine zeitgemäße Gegenleistung zu: ein wachsender Fundus an jederzeit abrufbaren Inhalten. Aber nichts zu machen gegen die archaischen Überflutungsängste, die Wolfgang Röhl plagen:

Wehe, wenn das auch noch ins Internet schwappt.

Ja, das wäre ja noch schöner! Vielleicht ist ja das Internet sogar irgendwann voll, wer weiss, und dann wäre kein Platz mehr für die guten Mallorca-Strand-Reportagen von SAT 1 und RTL? Warum nun allerdings die TV-Magazine der privaten Sender im Vergleich zu den öffentlich-rechtlichen nicht gerade für brisante Qualität in politisch relevantem Maße bekannt sind, kann und will uns Röhl nicht erklären. Vielleicht hängt es ja schon damit zusammen, daß der Dicke mit dem Kirch etc pp… nun, aber derartiges hält Röhl nach eigenem Bekunden für irrelevant. Besser nicht zuviel drüber nachdenken.

Wie es das Alter so mit sich bringt, kann Wolfgang Röhl leider auch keine Aufmerksamkeitsspanne von jetzt auf gleich aufbringen:

Verschwiegen wurde die Tatsache, dass Will die Ente keineswegs freiwillig zugegeben hatte. Eigentlich wollte sie in ihrer Sendung kein Wort darüber verlieren. Erst eine Kampagne des Berliner CDU-Mannes Pflüger und der Bildzeitung hatte die ARD weich geklopft.

Tatsächlich wird in der Sendung ausführlich auf die Kampagne von Pflüger und Bild eingegangen und die Richtigstellung von Anne Will als Ergebnis dieser Kampagne dargestellt („und so hatte Bild Erfolg“). Im gesamten im Video zu sehen ab Minute 1:28. Aber wir wollen Rundfunk-Opa Röhl lieber nicht überfordern. Ähnlich wie Achsenkollege Richard Wagner ist er sicher schon damit ausgelastet, CDU-Peinlichkeiten zu verdrängen – in diesem Fall wie realsozialistisch die Zensurgelüste des erfolglosen Politclowns Pflüger anmuten.

Wenn einsame Kämpfer derart unverstanden für das Gute kämpfen, dann lassen Paranoia und diffuse Verschwörungsängste auch nicht lange auf sich warten. Und so greifen die Tentakel der

krakenhaften Verbreitung des gebührengenerierten Staatsfunks

nach Wolfgang Röhl und die dunkle

Macht des staatlichen Verlautbahrungs-Fernsehens

hat sich gegen ihn verschworen. Wir ahnen es: da winkt schon derselbe Ungeist fröhlich um die Ecke, aus dem auch die Protokolle der Weisen von Zion gemacht sind. Gute Besserung, Wolfgang Röhl!

Einem nützlichen Rechtspopulisten kein Auge aushacken

31. März 2008

Süß wie ein trotziges Kind kann die Achse des Guten wirken, zum Beispiel wenn sie mit einem Text des hauptberuflichen Leserbriefschreibers Jörg Haller aufstampft:

Sie bezeichnen Geert Wilders als “Rechtspopulisten” – diese Bezeichnung ist diffamierend. […] Bitte unterlassen Sie diese Formulierung, denn diese Diffamierung ist mehr als ungerecht…

„Ungerecht“ also. Moral ist der Achse normalerweise zuwider, aber zu besonderen Anlässen hängt sie sich eben auch gerne mal die moralische Flagge ins Fenster.

Aber kann jemand ernsthaft ein Rechtspopulist sein, dessen Partei einen „Verringerung des Einfluss der Europäischen Union“, ein „Verbot der Errichtung weiterer Moscheen“ und einen „Einwanderungsstopp“ fordert? Nicht für die Achse des Guten. Hier hat man andere Maßstäbe. Schließlich spricht man sich auch dagegen aus, daß Gelder im Kampf gegen Rechts aufgestockt werden, nimmt Deutsche als Opfer ausländischer Sozialbetrüger wahr und sieht Kritik am Vaterland äußerst ungern.

Außerdem: ein Islamophobiker kann per se kein Rechtspopulist sein – denn damit würde sich die Achse ja selbst ins Bein schießen. Aber wie genau will man das nun begründen? Jörg Haller hat da eine Idee:

Genau dies tut Geert Wilders nicht, wenn er wahrheitsgemäß aufdeckt, was der Koran sagt […] Leider muß ich feststellen, daß auch n-tv […] letztlich nichts weiter als Mainstream bietet, der oft mit der Wahrheit und mit Notwendigkeiten in der Politik nichts zu tun hat.

Der Kampf um die Wahrheit ist es also das Merkmal, welches jemanden nicht zum Rechtspopulist werden lassen kann. Dieser Logik stimmt auch Broder zu, allerdings bezogen auf den ermordeten Pim Fortuyn. Tatsachen sind schließlich auch Wahrheit:

Schon der vor sechs Jahren von einem fanatischen Tierrechtler ermordete Politiker Pim Fortuyn galt als ein „Rechtspopulist“. Er war in der Tat sehr populär, aber nicht weil er „rechts“ war, sondern rücksichtslos auf Tatsachen hinwies, die von den traditionellen Eliten der holländischen Gesellschaft beharrlich ignoriert wurden.

Wiederholen wir also noch einmal: ein Rechtspopulist kann keiner sein, der den Kampf um die Wahrheit ficht, insbesondere rücksichtslos. Das ist nun aber mal eine wirklich bestechende Logik, von der auch das selbsternannte „Wochenblatt zum Kampf um die Wahrheit“ profitiert. Na, da kann sich Jörg Haller ja schon mal ausdenken, warum es sich hier keinesfalls um „strukturelle Parallelität“ handeln kann.