Archive for the ‘posener’ Category

Einige meiner besten Freunde sind Kriegskritiker

17. Januar 2009

Immerhin hat ein glücklicher Umstand nun zunächst die weitere Watchblog-Tätigkeit Alan Poseners sowie sein Zerwürfnis mit der Achse verhindert: der Gaza-Krieg. Das Gute an Kriegen: der Burgfrieden festigt eine Gruppe nach innen und verhindert interne Kritik. Gut für Brodaganda.

Nun hat sich Posener thematisch dem Krieg zugewandt. Um nicht als Springer-Autist zu erscheinen, setzt sich Posener zunächst einmal damit auseinander, was die Leute so reden:

Ich bin ja ein Springer-Journalist und wie alle Welt weiss, dürfen wir Springer-Journalisten Israel nicht kritisieren.

Aber Posener kann dieses unhaltbare Klischee glücklicherweise sofort als „Bullshit“ entlarven:

Und so heisst es ja auch in der Welt am Sonntag von Seiten des Chefredakteurs Thomas Schmid: „Wo Israel Fehler macht – und die gibt es nicht zu knapp – muss man die israelische Politik kritisieren“. Also bitte, das geht. Zum Beispiel manche Leute in der Redaktion sind der Ansicht, Israel hätte in Gaza nicht einmarschieren dürfen.

Darf Springer Israel kritisieren?

Überzeugende Beweisführung. Aber Moment! Haben wir das nicht schon einmal woanders gehört? Richtig, wenn ein deutscher Antisemit mit dem Satz „Einige meiner besten Freunde sind Juden“ anfängt, dann kann man sich ziemlich sicher sein, dass dahinter ein großes „aber“ platziert wird und der Satz im folgenden ins Gegenteil umschlägt. Genau so ist der Satz von Chefredakteur Schmid gemeint – und auch das Gerede von den „Leuten in der Redaktion“. Wäre das anders, hätte Posener sicherlich eine tatsächliche Springer-Kritik an Israel präsentieren können. Kann er aber nicht. Netter Versuch. Von Antisemiten argumentieren lernen heisst ja nicht automatisch siegen lernen.

Anschließend erklärt Posener, was legitime Kritik an Israel von Antisemitismus entscheidet:

Wo Kritik an Israel in Antizionismus und Antisemitsmus umschlägt, das ist der Punkt wo Israel deligitimiert wird, wo Israel dämonisiert wird und wo man eine doppelte Moral in Hinblick auf Israel anwendet.

Als Beispiel führt er aus:

Klar, das auch sonst… hier:  Berliner Zeitung, zivile Opfer, natürlich sind es palästinensische Opfer, und woher die Zeitung wissen will, dass es Zivilisten sind, da die Hamas keine Uniformen trägt, keine Ahnung. Oder die Süddeutsche Zeitung: natürlich müssen es auch da wieder Kinder sein, die in einem zerstörten Gebäude spielen.

Palästinensische Kinder

Na, geht doch: Springer-Journalist Posener ganz auf Linie der Bild-Zeitung, nach der es prinzipiell keine zivilen Opfer unter den Palästinsern gibt. Und wir haben endlich an einem anschaulichen Beispiel gelernt, was Antisemitismus ist: wenn die Süddeutsche Zeitung Kinder als Kriegsopfer zeigt. So schön einfach kann man die Gräuel des Krieges weg bekommen: einfach nicht zeigen. Wegbekommen zwar nicht in der Realität, aber wenigstens in den Köpfen der westlichen Welt. Denn darauf kommt es ja schließlich an.

APO, der Achsenpolizist

16. Januar 2009

Auf Brodaganda ist es etwas ruhiger geworden. Das liegt nicht zuletzt daran, dass inzwischen ein gewisser Alan Posener die Marktlücke entdeckt hat, von der bisher Brodaganda lebte. Wie eine furiose Ein-Mann-Watchblog-Armee erledigt er die Arbeit aller existierenden und potentiellen Achgut-Watchblogs, nur besser und praktischerweise direkt auf der Achse selbst. Hau ab, APO, die Marktnische ist nicht groß genug für uns beide!

Brodaganda dokumentiert im folgenden einige Highlights von Poseners Wirken:

Wir sind die Achse der Guten, nicht die Achse der Eiferer

Das dachte ich zumindest, bis ich Geert Wilders‘ Fieberfantasien hier las. Hier sind alle Elemente vorhanden, die den europäischen Antisemitismus und zuvor den christlichen Antijudaismus auszeichneten und auszeichnen: Generalverdacht gegen eine ganze Gruppe, unabhängig vom Verhalten des Individuums; Panikmache; die Theorie einer Weltverschwörung; Eliminationsforderungen. Statt der „Protokolle der Weisen von Zion“ muss der Koran als Beweis für die Weltherrschaftspläne von Menschen herhalten, die als Wirtschaftsflüchtlinge und Asylanten (z.B. aus Bosnien und dem Kosovo, wo eine christliche Soldateska wütete) zu uns gekommen sind. Und natürlich richtet sich der Hauptstoß des Islamophoben, wie damals der Antisemiten, gegen die „liberale Elite“ Europas. […]

Wer den Antisemitismus bekämpfen will, muss auch die Islamophobie bekämpfen

[…] Zu Küntzels teilweise haarsträubenden Argumenten werde ich noch Stellung nehmen. Wie so oft in solchen Fällen nahm jedoch die Wirklichkeit die Widerlegung der Ideologie selbst in die Hand. […] In seiner Kritik an dieser Tagung und im Versuch, jede Parallele zwischen alt-neuem Judenhass und neuem Muslimhass zu leugnen, führt Matthias Küntzel einige abenteuerliche Thesen an, die – da sie im „Wall Street Journal“ abgedruckt wurden – nicht unwidersprochen bleiben sollen. […]

Stotternde Stalinisten

[…] Aber hier geht es nicht um Journalismus. Hier geht es um eine Kampagne. Hier soll jemand fertig gemacht werden. Hier herrscht ein Vernichtungswille, den man nur als stalinistisch bezeichnen kann. Und ich weiß, wovon ich rede. […]

Solidarische Kritik

[…] Ich weiß zwar nicht, wer auf diesem publizistischen Netzwerk, dessen Mitglied zu werden ich eingeladen wurde, das Legitimitätsentscheidungsmonopol besitzt, und auch nicht, wer das “Wir” ist, das hier von “unseren” Freunden spricht. Aber das hört sich doch verdammt bekannt an; als ob jemand sagen wollte: “Nun ja, Genosse Posener hat zwar heftige Kritik am Genossen Küntzel geübt, aber wir von der Leitungsebene wollen das für heute unter solidarischer Kritik verbuchen und ihm einstweilen gestatten, weiter Parteimitglied zu sein, so lange er nicht von der Generallinie abweicht.” Uff, noch einmal davon gekommen. […]