Archive for the ‘peiser’ Category

Stimmungs-Experten unter sich

10. Juni 2008

Die Achse des Guten verlinkt einen Artikel von Reinhard Mohr auf Spiegel Online. Der Artikel ist nicht weiter der Rede wert, denn er bietet kaum mehr als eine exakte Paraphrasierung der folgenden Zeilen aus einem bekannten Pop-Schlager der neueren Zeit:

Gestern ging es allen dreckig
Heute geht es steil bergauf
Jeder hat 6 Richtige
Alle sind total gut drauf
[…]
Hip, Hip , Hurra!
Alles ist super , alles ist wunderbar
Hip,Hip, Hurra!
Alles ist besser als es damals war
Alle sind Freunde
Alle sind happy, alle sind froh
Und überall wo man hinguckt:
Liebe und Frieden und so

Allerdings: in einer unironischen Version. Was dazu überhaupt zu sagen wäre, hat schon das Blog Kritik und Kunst aufgeschrieben.

Mit folgenden Worten z.B. wendet sich nun also der Optimist Mohr gegen Schreckensnachrichten von schlechter Wirtschaft und Verelendung:

Jetzt sind die alten Reflexe wieder da. Seit Monaten scheint es um nichts anderes zu gehen als um Rentnerelend, Massenarmut, Jugendgewalt, Depression und Altersdemenz. […] Eine Schreckensstatistik jagt die andere. In ihrer medial zugespitzten Verbreitung suggerieren all die Zahlen und Prozente, was viele Deutsche immer wieder gerne hören: Es geht abwärts! […] Für die gefühlte Negativeinschätzung kann es jedenfalls nicht genug Prognosen, Studien, Umfragen und Expertenäußerungen geben. […]

Dass seitdem 1,4 Millionen Arbeitsplätze geschaffen wurden, was unter anderem die Jugendarbeitslosigkeit praktisch halbiert hat, dass das Wirtschaftswachstum samt Steuereinnahmen kräftig gestiegen ist und Deutschland auch 2008 vor China Exportweltmeister bleiben wird, spielt beim gegenwärtigen Lamento keine Rolle.

Tja, hätte man das mal nicht vorher mit dem Hauspessimisten von der Achse durchsprechen können? Denn Benny Peiser beliebt es, einen ganz anderen Artikel von Spiegel Online zu zitieren:

Das Studienergebnis ist bitter: Laut einem Standortranking von Ernst & Young schätzen Investoren vor allem Schwellenländer und Osteuropa, Deutschland wird dagegen immer unbeliebter. Noch düsterer sieht es im übrigen Westeuropa aus – die weltweiten Gewichte verschieben sich. Vielleicht wird bald “Westalgie” in Deutschland einkehren – die Sehnsucht nach einer Ära, als Deutschland und die westlichen Industrienationen noch unangefochten an der Spitze standen. Diese Zeiten sind vorbei, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Im Zweifelsfall gehen die Wirtschaftsexperten auf der Achse also einfach auf Nummer sicher und vertreten alle professionellen Einschätzungen gleichmäßig – na, warum auch nicht.

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Tibet-Experten unter sich

3. April 2008

Lhasa liegt nicht in Gaza und deswegen redet kein normaler Mensch, kein bekloppter Rentner und kein hysterischer Friedensaktivist von einem “Holocaust in Tibet”.

Henryk M. Broder, Achse des Guten, Lhasa liegt nicht in Gaza…

Und trotzdem wird das Märchen eines Holocaust in Tibet von Generation zu Generation weitergestrickt.

„Edward E. Nigma“, Bad Blog, Tibets Holocaust. Ein Märchen für Deutsche.

Experten-Tipp #1: einfach irgendwas beliebiges behaupten, was der eigenen Ideologie am nächsten steht. Merkt eh keiner.

I try to awaken the world to the holocaust of Cambodia

Dith Pran, zitiert von Dr. Benny Peiser, Achse des Guten, Roter Völkermord: „Killing Fields“ Fotojournalist Dith Pran gestorben

Experten-Tipp #2: Wenns nur um die Verbrechen der Kommunisten geht, dann ist auch Holocaustrelativierung gut genug.

Tauwetter im Skeptikerblock

18. März 2008

Mit einem Text von Ulli Kulke in der Welt rückt Dr. Peiser vorsichtig von den sog. Klimaskeptikern ab:

Die Simulationsmodelle des IPCC sind nicht der Weisheit letzter Schluss, auch wenn ihre Modellierer dies beanspruchen. Und der Beweis, dass CO2 nichts mit dem Klima zu tun hat, dürfte auch schwerfallen. Doch kritische Zwischentöne von Forschern wie Hüttl, Emmermann, Malberg oder Delisle werden zwangsläufig an Bedeutung gewinnen, denn der Alarmismus des IPCC und die Hektik im Hause Gabriel werden auf Dauer keinen Bestand haben können.

Soso, CO2 also – die Frontlinie der Klimaskeptiker schmilzt wohl wie ein Gletscher im Klimawandel? Aber was sagt nun eigentlich der erwähnte Hüttl?:

Das heißt, wenn wir heute wissen, dass wir mit Treibhausgasen und Landnutzung zum geologischen Faktor geworden sind, der das Klima beeinflussen kann, dann sollten wir rasch reagieren: Unsere Strategie der CO₂-Reduktion ist nicht nur sinnvoll, weil wir wissen, dass wir das Klima ändern, sondern vor allem, weil wir nicht wissen, wie das sich ändernde Klima auf uns reagiert.

Ach. Und was sagt Emmermann?:

GFZ-Chef Emmermann weist aber darauf hin, dass die CO2-Versenkung allenfalls Zeit verschafft, um CO2-freie Energietechnologien zu entwickeln und einzuführen. «Das ist eine Übergangstechnologie, die nicht ewig angewendet werden kann», sagt er.

Naja, etc pp. Keine weiteren Fragen. Was noch?

Nahezu unbemerkt von der Weltöffentlichkeit formieren sich die Klimaskeptiker zu einer neuen Graswurzelbewegung gegen die Weltuntergangspropheten. Und das Wetter spricht für sie

Soso, das Wetter. Aber was heißt es denn, wenn tatsächlich nur das Wetter, nicht das Klima, für die Klimaskeptiker spricht? Das Wetter ist nur ein kurzfristiger Zustand, während das Klima für die Gesamtheit der möglichen Wetterzustände steht:

Als Wetter bezeichnet man den spürbaren, kurzfristigen Zustand der Atmosphäre […] an einem bestimmten Ort der Erdoberfläche […]

Das Klima steht als Begriff für die Gesamtheit aller meteorologischen Ursachen, die für den durchschnittlichen Zustand der Erdatmosphäre an einem Ort verantwortlich sind. Oder anders ausgedrückt: Klima ist die Gesamtheit aller an einem Ort möglichen Wetterzustände, einschließlich ihrer typischen Aufeinanderfolge sowie ihrer tages- und jahreszeitlichen Schwankungen.

Im Klartext also noch eine Bankrotterklärung. Eine weitere ist es, Al Gore anzukreiden, er habe sich nicht mit 200.000 Dollar für die „kritische Klimakonferenz“ der „NIPCC“ als Alibi kaufen lassen, sondern sei lieber woanders kostenlos aufgetreten. Denn eine Teilnahme als Alibi für die – in letzter Zeit so in Mode gekommenen – Leugnerkonferenzen läßt nicht nur Rumpelstilzchen Broder, sondern auch die gesamte Achse des Guten doch sonst sofort im Dreieck springen. Ansonsten wird auch die Methode des „Teilnehmer kaufen“ in dem Artikel der Welt komischerweise nicht weiter erwähnt:

Auch die Methoden des Heartland Institutes sprechen für sich: Den nach New York eingeladenen Wissenschaftlern wurde ein Honorar angeboten, berichtet Rahmstorf, der selbst auch eine Einladung erhielt. Wie auf dem Klimaforscher-Blog http://www.realclimate.orgberichtet wird, lag die Höhe des Honorars bei 1000 Dollar – Kosten für Anreise und Unterkunft würden ebenfalls vom Heartland Institute übernommen. „Ungewöhnlich“ sei das, meint Rahmstorf. Normalerweise würden Wissenschaftler keine Honorare für Vorträge auf wissenschaftlichen Konferenzen erhalten. Bei der Zahl von rund 100 geladenen Sprechern in New York dürfte einiges an Honoraren zusammenkommen.

„Mami, Mami, ich möchte vier Bankrotterklärungen in einem Artikel!“ – „Ach, Kind, geh die Achse des Guten lesen!“

Achse der Dunning-Kruger-Opfer

4. März 2008

Aber der Reihe nach. George Bush School of Government“ der Texas A&M University stammen. Nein, schauen wir gleich in die Studie. Welche Kriterien werden wohl angelegt, um herauszufinden, wie informiert die Befragten sind? Objektive Fakten? Knallharte Fragenkataloge?

We measure a respondent’s level of information by asking each respondent to report „how informed do you consider yourself to be“ about global warming and climate change, which produces an 11-point scale.

Mit anderen Worten: es wird also eben gerade nicht gemessen, wie informiert die Befragten sind, sondern nur: für wie informiert sie sich halten. Das ist kein vernachlässigbarer Unterschied. Denn genau hier kommt der Dunning-Kruger-Effekt ins Spiel:

Kruger und Dunning bemerkten in vorhergehenden Studien, dass bei Fähigkeiten wie dem Erfassen von Texten, Schachspielen oder Autofahren, Unwissenheit oft zu mehr Selbstvertrauen führt als Wissen. Sie fanden heraus, dass bei Fähigkeiten, über die Menschen in höherem oder im geringen Grad verfügen können,

  1. inkompetente Personen dazu neigen, ihre eigenen Fähigkeiten zu überschätzen,
  2. inkompetente Personen überlegene Fähigkeiten bei anderen nicht erkennen,
  3. inkompetente Personen das Ausmaß ihrer Inkompetenz nicht erkennen können,
  4. inkompetente Personen durch Bildung nicht nur ihre Kompetenz steigern, sondern auch lernen können, sich und andere besser einzuschätzen.

Nebenbei bemerkt läuft uns der Dunning-Kruger-Effekt gerade bei der Achse des Guten des öfteren über den Weg. Ein aktuelles Beispiel dafür ist gerade wieder im Blog von Stefan Niggemeier unter Fakten sind uns Wurst nachzulesen: Dirk Maxeiner hält sich ja bekanntlich für ganz besonders informiert, aber er tut das eben im Sinne der Selbstüberschätzung eines unkritischen Konsumenten von Bild und PI.

Zurück zur Studie. Auch deren Autoren ist das ganze natürlich nicht ganz unbekannt. Deshalb gestehen sie in der Auswertung auch verschämt ein, daß die Ergebnisse nichts über das tatsächliche Wissen der Personen aussagen, ja, daß sich bei ähnlichen Studien auf das Wissen bezogen sogar der Effekt umgedreht hat:

It should be noted that the information effects reported in this article are limited to self-reported information. Objective measures of informedness about global warming and climate change might produce different effects. And indeed there is some scholarly evidence to suggest that this might be the case. In their models of mass assessments of the risks of genetically modified foods, Durant and Legge found that self-reported informedness and objective measures of informedness were almost entirely uncorrelated, and that their effects worked in opposite directions. Clearly, this is an area that is ripe for subsequent research.

Paranoiker unter sich

22. Februar 2008

Dr. Benny von der Achse des Guten prophezeit den Untergang des Abendlandes:

Britische Teenager mit Migrationshintergrund

geben einen guten Einblick auf den allmählichen Niedergang Großbritanniens

Wow, großartige Leistung, „Migrationshintergrund“ und „Niedergang“ in zwei aufeinanderfolgenden Sätzen untergebracht. Da winkt sicher auch gleich „Politically Incorrect“ mal wieder freudig erregt zurück.

Aber mal ehrlich, lieber Herr Peiser: Wo ist denn bitte der große Unterschied: ob ein paar britische Teenager glauben, 9/11 wäre ein Komplott der CIA, oder ob die Achse des Guten glaubt, der Klimawandel wäre eine Verschwörung als letzter Schritt zur Machtergreifung der Ökofaschisten? Oder eine großangelegte Selbstzenur wittern, nur weil sich die meisten Medien völlig zu recht nicht von ein paar Scharfmachern zum Abdruck ein paar dänischer dämlicher Karrikaturen erpressen lassen wollen?

Also, Herr Peiser, wer derart im Glashaus sitzt, sollte nun wirklich nicht mit Steinen werfen.