Archive for the ‘maxeiner’ Category

Abwesenheitsnotiz

2. Mai 2008

Gerade wenn allerorten der Frühling ausbricht, kann einen das reale Leben schon ganz schön in seinen Klauen halten – oder, was ehrlicher wäre zuzugeben, das dumme Geschreibsel unter der Achsel des Guten ganz schön anöden. Dabei gäbe es sicher einiges anzumerken, z.B. zu Biosprit. Nunja. Das sollen fleißigere Blogger einstweilen erledigen. Aber wenn man schon nichts schreibt, sollte man vielleicht wenigstens noch ein paar Links nachreichen:

Blogger vert weist im Beitrag „im öko-dschungel“ auf einen Artikel [pdf] von Urs Niggli hin, der auf den Unsinn von Miersch und Maxeiner eingeht. Stefan Niggemeier bringt im Beitrag „Wie ‚Bild‘ Ausländerfeindlichkeit fördert“ sehr gut auf den Punkt, wie Bild und brauner Mob zusammenarbeiten.

Nun, für einen kleine Beitrag über Richard Wagners kolossale Verdrängungsleistung wird die Zeit aber wohl noch reichen.

Achse der Dunning-Kruger-Opfer

4. März 2008

Aber der Reihe nach. George Bush School of Government“ der Texas A&M University stammen. Nein, schauen wir gleich in die Studie. Welche Kriterien werden wohl angelegt, um herauszufinden, wie informiert die Befragten sind? Objektive Fakten? Knallharte Fragenkataloge?

We measure a respondent’s level of information by asking each respondent to report „how informed do you consider yourself to be“ about global warming and climate change, which produces an 11-point scale.

Mit anderen Worten: es wird also eben gerade nicht gemessen, wie informiert die Befragten sind, sondern nur: für wie informiert sie sich halten. Das ist kein vernachlässigbarer Unterschied. Denn genau hier kommt der Dunning-Kruger-Effekt ins Spiel:

Kruger und Dunning bemerkten in vorhergehenden Studien, dass bei Fähigkeiten wie dem Erfassen von Texten, Schachspielen oder Autofahren, Unwissenheit oft zu mehr Selbstvertrauen führt als Wissen. Sie fanden heraus, dass bei Fähigkeiten, über die Menschen in höherem oder im geringen Grad verfügen können,

  1. inkompetente Personen dazu neigen, ihre eigenen Fähigkeiten zu überschätzen,
  2. inkompetente Personen überlegene Fähigkeiten bei anderen nicht erkennen,
  3. inkompetente Personen das Ausmaß ihrer Inkompetenz nicht erkennen können,
  4. inkompetente Personen durch Bildung nicht nur ihre Kompetenz steigern, sondern auch lernen können, sich und andere besser einzuschätzen.

Nebenbei bemerkt läuft uns der Dunning-Kruger-Effekt gerade bei der Achse des Guten des öfteren über den Weg. Ein aktuelles Beispiel dafür ist gerade wieder im Blog von Stefan Niggemeier unter Fakten sind uns Wurst nachzulesen: Dirk Maxeiner hält sich ja bekanntlich für ganz besonders informiert, aber er tut das eben im Sinne der Selbstüberschätzung eines unkritischen Konsumenten von Bild und PI.

Zurück zur Studie. Auch deren Autoren ist das ganze natürlich nicht ganz unbekannt. Deshalb gestehen sie in der Auswertung auch verschämt ein, daß die Ergebnisse nichts über das tatsächliche Wissen der Personen aussagen, ja, daß sich bei ähnlichen Studien auf das Wissen bezogen sogar der Effekt umgedreht hat:

It should be noted that the information effects reported in this article are limited to self-reported information. Objective measures of informedness about global warming and climate change might produce different effects. And indeed there is some scholarly evidence to suggest that this might be the case. In their models of mass assessments of the risks of genetically modified foods, Durant and Legge found that self-reported informedness and objective measures of informedness were almost entirely uncorrelated, and that their effects worked in opposite directions. Clearly, this is an area that is ripe for subsequent research.

Chemical Brothers

23. Februar 2008

Die Verschwörungstheoretiker Dirk Maxeiner und Michael Miersch nehmen nun nach dem Klimawandel die Biokost in die Mangel. Vorbild ist Alex Avery vom Hudson Institute, ein Lobbyist für Monsanto, DuPont, Novartis, Dow und andere Hersteller von Agrar-Chemie. Averys Ziel ist es offenbar, möglichst viel Chemie unter die Leute zu bringen. So war eines seiner Hauptanliegen, die Nitrat-Grenzwerte für Trinkwasser zu erhöhen. Sein Buch „Die Wahrheit über Bio-Lebensmittel“ ist nun auf deutsch erschienen. Darin möchte er wohl den Leuten weismachen, daß eine unter starkem Pestizideinsatz gezogene Paprika keinesfalls ungesünder sein kann als eine Bio-Paprika. Klar, das Zeug muss ja irgendwie verkauft werden.

Kein Wunder, daß das inspirierend auf die „Fortschrittsoptimisten“ Maxeiner und Miersch wirkt. Aber was soll man von einem Buch halten, dessen bisherig einzige Jubel-Rezension auf dem deutschen Amazon von Franziska Grübner-Schweickhoff eine aufgebohrte Version des offiziellen Werbetextes ist, aber von ihr mit „ausgewogene Darstellung aus neutraler Sicht“ überschrieben wird? Drei von vier Grübner-Schweickhoffs Rezensionen sind übrigens dem Kampf gegen die Öko-Verschwörung gewidmet. Nebenbei bemerkt – aber das ist natürlich nebensächlich an dieser Stelle – schreibt sie auch für die rechte und ausländerfeindliche SVP. Auf solch ein Milieu zu stoßen ist offenbar unumgänglich, wenn man sich mit die Achse des Guten beschäftigt.

Aber zurück zum Thema. Das Buch reklamiert im Titel für sich „die Wahrheit“, wird aber wohl eher mit dieser Rezension im amerikanischen Amazon besser beschrieben sein:

When you encounter studies or polls you do not agree with, you discount them. When you find supportive info, you laud it. That is the strategy used by this author, this book, and the Hudson Institute (conservative think tank).

In diese Fußstapfen will nun das neue Buch von Maxeiner und Miersch „Biokost – Ökokult. Welches Essen ist wirklich gut für uns und unsere Umwelt“ treten. Dabei ist zwar unbestritten, daß der Bioanbau auch kritisch und differenziert betrachtet werden muß. Es bleibt aber abzuwarten, ob es Maxeiner und Miersch tatsächlich zu differenzierter Kritik bringen oder nur mit Banalitäten auf Dummenfang für Oberflächliche gehen. Insbesondere darf man gespannt sein, inwieweit Umweltschutz, Vielfalt der Arten, Tierhaltung und Monopolisierung thematisiert werden. Aufgrund bisheriger Erfahrungen mit dem Auorenteam ist zu befürchten, daß das Buch nur weitere Öko-Mythen hinzufügen wird. Und natürlich bleibt noch die Frage, ob das, was von den Autoren als neuester wissenschaftlicher Stand verkauft wird, auch diesmal wieder aus einem Lehrerforum stammt oder mal von anderen Amateurseiten im Internet zusammengeklickt wurde.