Archive for the ‘lizas welt’ Category

Maulhelden der Meinungsfreiheit

18. September 2008

Das LG Köln hat Henryk M. Broder in Teilen und im konkreten Kontext eine Äußerung gegen Evelyn Hecht-Galinski verboten. Brodaganda meint: Das konkrete Urteil ist ein gutes Urteil. Wie kann man aber für eine weit gefasste Meinungsfreiheit sein und sich selbst das Recht herausnehmen, andere mit scharfen Worten zu kritisieren – aber dennoch dieses Urteil nicht ablehnen?

Zuerst einmal haben die Richter in ihrer Urteilsbegründung erkannt, dass es Broder eben gerade nicht um die Kritik an einer Sache geht, sondern um die Diffamierung von Hecht-Galinski. Kritik darf scharf sein, aber sie bedarf der Begründung. Bei den konkreten Umständen spielt aber vor allem auch die publizistische Reichweite eine große Rolle. Das Thema Meinungsfreiheit vs. Kritik entwickelt sich im Allgemeinen zu Lasten derjenigen, die sich nicht auf ausgiebige Rechtsstreits einstellen können und deren Position in der Gesellschaft weniger gehört wird. Es ist eine gefährliche Entwicklung, wenn sich ein realweltlicher Vorteil z.B. in Kommunikationsmitteln auch vor Gericht fortsetzt. Eigentlich müsste das Rechtssystem eher das Gegenteil gewährleisten. Was kümmert es z.B. Frau Merkel, wenn Blogger Kewil sie als Ferkel bezeichnet? Nicht viel und eine juristische Auseinandersetzung darum wäre mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Umgekehrt sähe es aus, wenn Merkel Blogger Kewil erfolgreich verhöhnen könnte – die von ihr hervorgerufene Medienresonanz ist ungleich stärker. In diesem Sinne müssen vor Gericht die realen Gegebenheiten berücksichtigt werden. Broders medialer Wirkungskreis ist weit höher und er hat ein Publizisten-Netzwerk, welches ihm zur Seite springt. Unter diesem Umständen sind die Auswirkungen seiner Feldzüge größer und müssen im Zweifel strenger beurteilt werden.

Ein anderer wesentlicher Aspekt an der Sache ist, dass gerade diejenigen, die hier den „qualvollen Tod“ der Meinungsfreiheit wittern, sich im Allgemeinen eben nicht mit einer gesellschaftlichen Debatte zufrieden geben, sondern darauf zielen, den Gegenüber von der gesellschaftlichen Debatte auszuschließen. So gibt man sich z.B. im Falle der kruden Thesen des Sporthistorikers Arnd Krüger auf der Achse nicht mit gesellschaftlicher Debatte, negativer Presse für Krüger sowie der Einsicht und Entschuldigung Krügers zufrieden. Die Achse verlangt mehr: aber auch Rüge und Distanzierung der Vereinigung für Sportwissenschaft von ihrem Mitglied Krüger sind nicht genug. Die Universität Göttingen als Arbeitgeber von Krüger wird angegangen, weil sie völlig zu recht auf die wissenschaftliche Debatte verweist. Inzwischen sind Arbeitgeber offenbar ein üblicher Ansatzpunkt geworden, um den Gegenüber mit der Zerstörung der wirtschaftlichen Existenz unter Druck zu setzen. Der obligatorische Hinweis, Hecht-Galinski sei ja nur Hausfrau und lebe vom Namen ihres Vaters, dürfte auch Ausdruck kaum verholenen Ärgers darüber sein, dass Hecht-Galinski kein Ziel in diesem Sinne bietet. Schließlich ist aber Broders ursprünglicher Anlass für das Verfahren selbst beredt genug. Der Brief an Intendantin Piel:

vielleicht wäre es ihnen trotzdem möglich, herauszufinden, was die redaktion von “hallo ü-wagen”, dazu veranlaßt hat, frau evelyn hecht-galinski einzuladen […]

Broders selbst zum Ausdruck gebrachtes Ziel ist also nicht die Auseinandersetzung mit Hecht-Galinski, sondern deren Ausschluss aus der Debatte. Auch bei Achsen-Gastautor Clemens Wergin scheint dieser Aspekt deutlich durch:

so liegt der Skandal doch […] in der Tatsache, […] dass Hecht-Galinski so gerne zu Podiumsdiskussionen eingeladen wird, um […]

Eine ungeheure Heuchelei ist es daher, Broder nun als Held der Redefreiheit zu stilisieren. Zumal ein Gerichtsurteil wesentlich transparenter und besser demokratisch legitimiert ist, als Forderungen an die Arbeitgeber der Meinungsgegner zu richten.

Langfristig müssen wir uns damit abfinden, dass Geschrei, Ablenkung, Schmutzkampagnen, Lügen, Verdrehungen und die ganze Bandbreite emotionalen Fan-Geschreis in gesellschaftlichen Debatten immer weiter zunehmen und sachbezogene Kritik selten wird. Das Urteil ist für die Protagonisten dieser Entwicklung allenfalls ein kleiner Stolperstein auf dem Weg. Allerdings muss ich in diesem Sinne auch Kritik und Kunst recht geben: es wird keinen Zweck haben, gegen diese Tendenz auf Dauer mit juristischen Mittel anzugehen. Aber einstweilen ist dieses Urteil dennoch ein gutes Urteil.

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Die Fratze der Dummschwätzer

22. Juli 2008

Liza hat

Die Fratze der Barbarei

beim jüngsten Leichentauschgeschäft in Nahost entdeckt. Aber nicht nur diese, sondern auch die Fratze der Dummschwätzer geht anläßlich dieses Ereignisses in der Blogosphäre um.

Hisbollah = Aasgeier […] Leichen dienten als Verhandlungsmasse für die Terroristen, die regelmässig auf der Regierungsbank in Beirut Platz nehmen. (Euckenserbe auf Freunde der offenen Gesellschaft)

[…] angesichts der makabren Praxis der Hisbollah, israelische Leichenteile als Tauschpfänder einzusammeln, […] (J. R. Weiner und D. Morrison auf Jerusalem Zentrum)

Leichen als Tauschpfänder, als Verhandlungsmasse, das ist der Gipfel der Barbarei! Makaber! Wer macht denn sowas? Nun, kleiner Hinweis: eines der beiden Länder Libanon und Israel, die in den Deal verwickelt waren, hat sogar fast 200 Leichen als Tauschpfänder zurückgelegt. Noch ein Tip: es handelt sich dabei nicht um den Libanon.

Besonders infam und daher gerechtfertigterweise mit starken Emotionsbekundungen bedacht ist auch die Ermordung unschuldiger Zivilisten und unschuldiger Kinder. Diese gezielt zu töten ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen der Barbarei der Terroristen und den zivilisatorischen Errungenschaften des Westens. Der Westen greift selbstverständlich nur Bewaffnete an und keine unschuldigen Zivilisten und Kinder. Von diesem Standpunkt her zu betrachten ist die Empörung über die feigen Angriffe der Hisbollah auf die unschuldigen Grenzsoldaten ldad Regev und Ehud Goldwasser, die allerorten in der Blogosphäre zu spüren ist. Malte Lehming bringt es im Tagesspiegel auf den Punkt:

[…] die Leichen von zwei unschuldigen Israelis gegen fünf quietschlebendige Verbrecher der islamistischen Hisbollah ausgetauscht wurden.

Unschuldige Zivilisten, unschuldige Soldaten – naja, das ist ja auch alles eine Soße, irgendwie. Denn eigentlich hat ja sowieso niemand Schuld. Wozu soll man sich da um unterschiedliche Worte im Erregungskarussel bemühen? Sonst könnte man ja nicht sowohl einen Angriff auf Zivilisten als auch einen Angriff auf Soldaten jeweils gleichermaßen als ganz besonders feigen Akt brandmarken.

Völkisches à la Liza

11. Juli 2008

Lizas Welt weiss: Ländergrenzen von der Landkarte streichen geht gar nicht, prinzipiell nicht und nirgendwo:

Es ist schwierig, ein Land von der Karte zu wischen, ohne dass […] die Bevölkerung zerstört wird.

Ja, und genauso haben das sicher auch Lizas antideutsche Kumpels mit dem Motto: „Deutschland von der Karte streichen, Polen muß bis Frankreich reichen“ gemeint, da bin ich sicher. Nicht das was dagegen einzuwenden ist, natürlich.

Wen das noch nicht überzeugt: Alkoholiker, Nazis, Antideutsche und Meckermentalität – sieht man nicht auch an der DDR, wie zerstört eine Bevölkerung daraus hervorgeht, daß ihr Land von der Landkarte gestrichen wurde? Beklagenswert! Da findet sich der Schiedsrichter in enger Umarmung mit der Super-Illu wieder.

Anmerkung: Das Blog Lizas Welt ist von der antideutschen Ideologie geprägt, aber zunehmend in Zusammenarbeit mit Henryk M. Broder und der Achse begriffen. Durch Beschränkung auf die gemeinsamen Nenner konnte Lizas Welt von Anfang an die Schnittstelle bilden, an die von antideutscher Szene, wirtschaftsliberalen Prowestlern, Nationalkonservativen bis hin zur braunen Pro-Bewegung alles andocken konnte. Lizas Welt wird daher von antideutschen Antifas über die Achse des Guten bis Politically Incorrect gleichermaßen zitiert. Querfront nennt das die linke Szene, so ich recht informiert bin.