Archive for the ‘lehming’ Category

Doppeldenk mit Malte Lehming

31. Juli 2008

Ein wichtiger Aspekt in George Orwells Beschreibung totalitärer Systeme wie Faschismus und Sozialismus ist die Doppelmoral. Unter anderem ausgedrückt in „Farm der Tiere“ durch die passende Ergänzung der Gebote, durch Doppeldenk in „1984“ und in beiden Büchern durch die heimliche Umschreibung früherer Ereignisse, so als hätte es sie nie gegeben.

Daran wird man erinnert, wenn man einen Kommentar von Malte Lehming im Tagesspiegel liest. Die Ausgangslage: bei der Obama-Rede in Berlin waren „aus Sicherheitsgründen“ generell keine Plakate zugelassen, was vorher bekannt war. Lehming zitiert nun einen Leserbrief von Ulf Soltau, in dem Soltau den falschen Eindruck zu erwecken versucht, er sei Aufgrund inhaltlicher Aussagen seines Plakates des Platzes verwiesen worden. Lehming nimmt den Leserbrief zum Anlaß, um das Plakatverbot mit den Zuständen in Nordkorea zu vergleichen und nennt die Situation eine in Demokratien unbekannte Bürgerrechtseinschränkung.

So sehr auch das Eintreten Lehmings für Bürgerrechte zu schätzen ist: Lehming hat offenbar verdrängt, welche absurden Anstrengungen und Verletzung der Grundrechte bei Bush-Besuchen in Deutschland unternommen wurden, um Bush von jeglicher Kritik abzuschirmen. Ganze Stadtviertel wurden weiträumig gesperrt. In Stralsund wurde die Bevölkerung kurzerhand durch eine Jubelmenge ersetzt. Wohnungen wurden wegen harmloser Transparente gestürmt (1, 2) und die Bewohner der Wohnung festgehalten, durchsucht und abgefilmt. Plakate wurden inhaltlich zensiert. Das allgemeine Plakatverbot bei der Obama-Rede ist dagegen im Vergleich harmlos.

Noch rauer sind die Sitten im Mutterland der freien Rede selbst: regelmäßig werden auf Wahlkampfveranstaltungen der Republikaner Menschen aufgrund des falschen Stickers, T-Shirts oder sogar eines Aufklebers nur am Auto des Platzes verwiesen oder eingeschüchtert (1, 2, 3, 4, 5, 6, 7).

Bürgerrechte einfordern: ja. Aber so zu tun, als ob während des Obama-Besuches eine beispiellose Situation geherrscht hätte, ist Doppelmoral. Denn wenn Lehming die Bürgerrechtseinschränkung während der Obama-Rede beispiellos nennt, negiert er damit, daß eine solche beim Bush-Besuch vorgelegen habe. Angesichts der Faktenlage kann das aber nur heißen, daß Lehming Bush-Kritikern von vorneherein nicht im gleichen Maße Bürgerrechte zuspricht wie Obama-Kritikern. Damit teilt Malte Lehming Rechte nur selektiv zu.

Hier mag es nur um das Recht gehen ein Plakat der eigenen Wahl hochzuhalten. Aber die gleiche Denkweise findet sich in totalitären Ideologien in verschiedenen Abstufungen wieder – bis hin zum Recht auf Leben. Natürlich macht das Lehming nicht zum Protagonisten einer totalitären Ideologie. Aber totalitäre Systeme brauchen Menschen, die die Logik von selektiven Menschenrechten verinnerlichen. Normale Menschen. Menschen wie Malte Lehming.

Die Fratze der Dummschwätzer

22. Juli 2008

Liza hat

Die Fratze der Barbarei

beim jüngsten Leichentauschgeschäft in Nahost entdeckt. Aber nicht nur diese, sondern auch die Fratze der Dummschwätzer geht anläßlich dieses Ereignisses in der Blogosphäre um.

Hisbollah = Aasgeier […] Leichen dienten als Verhandlungsmasse für die Terroristen, die regelmässig auf der Regierungsbank in Beirut Platz nehmen. (Euckenserbe auf Freunde der offenen Gesellschaft)

[…] angesichts der makabren Praxis der Hisbollah, israelische Leichenteile als Tauschpfänder einzusammeln, […] (J. R. Weiner und D. Morrison auf Jerusalem Zentrum)

Leichen als Tauschpfänder, als Verhandlungsmasse, das ist der Gipfel der Barbarei! Makaber! Wer macht denn sowas? Nun, kleiner Hinweis: eines der beiden Länder Libanon und Israel, die in den Deal verwickelt waren, hat sogar fast 200 Leichen als Tauschpfänder zurückgelegt. Noch ein Tip: es handelt sich dabei nicht um den Libanon.

Besonders infam und daher gerechtfertigterweise mit starken Emotionsbekundungen bedacht ist auch die Ermordung unschuldiger Zivilisten und unschuldiger Kinder. Diese gezielt zu töten ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen der Barbarei der Terroristen und den zivilisatorischen Errungenschaften des Westens. Der Westen greift selbstverständlich nur Bewaffnete an und keine unschuldigen Zivilisten und Kinder. Von diesem Standpunkt her zu betrachten ist die Empörung über die feigen Angriffe der Hisbollah auf die unschuldigen Grenzsoldaten ldad Regev und Ehud Goldwasser, die allerorten in der Blogosphäre zu spüren ist. Malte Lehming bringt es im Tagesspiegel auf den Punkt:

[…] die Leichen von zwei unschuldigen Israelis gegen fünf quietschlebendige Verbrecher der islamistischen Hisbollah ausgetauscht wurden.

Unschuldige Zivilisten, unschuldige Soldaten – naja, das ist ja auch alles eine Soße, irgendwie. Denn eigentlich hat ja sowieso niemand Schuld. Wozu soll man sich da um unterschiedliche Worte im Erregungskarussel bemühen? Sonst könnte man ja nicht sowohl einen Angriff auf Zivilisten als auch einen Angriff auf Soldaten jeweils gleichermaßen als ganz besonders feigen Akt brandmarken.