Archive for the ‘broder lügt’ Category

Blinder Seher

25. März 2008

Broder hält viel von seinen prophetischen Fähigkeiten. Schließlich sieht er schon seit Jahren die Islamisierung Europas vorher. In einer anderen Vorhersage besaß er einstweilen jedenfalls kein glückliches Händchen. Das mag vielleicht auch daran liegen, daß es sich dabei um eine oft verwendete Klage handelt, die inzwischen nicht mehr mit der Realität abgeglichen wird. Die Klage lautet, daß dem Nahost-Konflikt ein Übermaß an Aufmerksamkeit zuteil würde, während sich für andere Konflikte kein Schwein dieser Erde interessiert:

Überhaupt redet kaum jemand über Tibet, von den Exil-Tibetern mal abgesehen. […] Weil aber weder die Amis noch die Zionisten der “Israel-Lobby” dahinter stecken, regt sich keine Sau darüber auf.

Prinzipiell ist nicht falsch, daß der Nahost-Konflikt mehr Aufmerksamkeit erfährt. Die geographische Nähe, die Verbindung zur deutschen und europäischen Geschichte und die komfortable Situation für Journalisten bedingen das.

Dennoch hat sich Broders Klage vom 15. März über die Nichtbeachtung des Tibet-Konfliktes im Vergleich zum Nahost-Konflikt inzwischen als grundfalsch erweisen. Allein die von Broder so gern als „Kinderstürmer“ geschmähte taz hat diesem Konflikt die Aufmacher der Titelseiten der Ausgaben vom 17., 18., 19., 22. und vom 25. März gewidmet. Warum so wenig? Eine Menge Sonn- und Feiertage lagen dazwischen, an denen die Zeitung nicht erscheint. Aber das ist dennoch beeindruckend mehr als die drei Beiträge, die im gleichen Zeitraum auf der Achse des Guten (am 20., 21. und 25. März) explizit diesem Thema gewidmet sind. Obwohl die Achse des Guten auch an Feiertagen erscheint.

Warum entblößt Broder bloß immer seine eigene Doppelmoral, wenn er eigentlich die anderer entblößen will?

Faktenbrechen

19. Februar 2008

Das war eigentlich die interessanteste Frage: wie reagiert Broder, wenn man ihn direkt nach seinem gestörten Verhältnis zu Fakten befragt. Nimmt er seine Lügen als solche wahr? Hält er die Wahrheit nur für einen vernachlässigbaren Faktor bei seiner Mission? Oder glaubt er an seine Geschichten?

Die Frage kann nun als beantwortet gelten. Broder antwortet folgendermaßen auf einen Artikel von Stefan Niggemeier:

Die Polizisten der Stadt Zürich wurden nicht, wie von mir behauptet, zum Fasten sondern zu „einem gemeinsamen Fastenbrechen mit Muslimen“ aufgefordert, was sogar dort, wo Niggemeier seine Schweinehaxe bestellt, nur funktionieren kann, wenn vor dem Brechen gefastet wurde.

Broders altersdebiles Gehirn ist also einfach nicht mehr in der Lage, eine Sache und ihr genaues Gegenteil auseinanderzuhalten. „Essen“ ist für ihn also gleich „Fasten“, weil … irgendwas mit Yin und Yang und dem kosmischem Ausgleich vielleicht? Nein, das ist broderscher Unfug. Natürlich muss keiner fasten, nur weil er von Muslimen zu Dialog und Abendessen eingeladen wird. Gar kein Zweifel.

Die Eingangsfrage kann also nun folgendermaßen beantwortet werden: Broder ist schlicht senil. Er liest irgendwo etwas oberflächlich und versteht es falsch bzw. schnappt die Fehlinformationen in den einschlägigen rechten Hetzblogs auf. Und dann hindert ihn eine unglückselige Quadriga aus Selbstüberschätzung, Alterstarrsinn, Rechthaberei und Realitätsverweigerung einfach nur daran, wieder davon abzurücken. Und mit der Zeit wird so die Differenz zwischen Real- und Phantasiewelt in seinem Kopf immer größer.

Broder ist das eine, aber wie erklärt sich dieser geistige Tiefflug nun Broders offiziellem Fanklub? Man stellt dort ab auf den „Unterschied zwischen publizistischer und journalistischer Arbeit“ (Jörg Friedrich). Aus irgendeinem geheimnisvollen Grund reiche es für die publizistische Tätigkeit aus, eine Meinung zu haben und durchsetzen zu wollen. Wahrhaftigkeit könne man nur von journalistischer Tätigkeit erwarten.

Überhaupt nicht erklären kann Jörg Friedrich die berechtigte Frage, wieso er Broder gerne zugesteht, zu radikalisieren, um zwei Absätze später vor den Gefahren der Radikalisierung zu warnen. Und wieso er Broder die Polemik und Beleidigungen zugesteht, die er Niggemeier übelnimmt – obwohl letztere eher nur eine Anspielung auf erstere sein dürften. Desweiteren stören nicht die demagogischen Verdrehungen von Broder, sondern diejenigen, die darauf aufmerksam machen. Weil: da müsse doch auch mal gesagt werden, „warum ich das tue“ (Jörg Friedrich). Oder: schlimmer sei es, sich nicht „durch eine eigene Meinung angreifbar zu machen“ (Bernd). Die Hauptsache scheint, das „richtige“ Anliegen zu haben.

Wer im Broder Fanclub sitzt, muß also offenbar die absurdesten Verrenkungen unternehmen und ein gehöriges Maß an Doppelmoral aufbringen, um sein Weltbild vom provokanten Tucholsky-Nachfolger zu retten. Nun, es ist ja nichts neues, wie „geistig flexibel“ Menschen sein können, um ihr angeschlagenes Weltbild zu retten.

Carrell und Karneval

4. März 2007

In einem Interview des schweizer Fernsehsenders Telebasel am 15. Februar 2007 gab es wieder einige der typischen Henryk M. Broderschen Lügen zu hören:

Vor genau zwanzig Jahren gab es einen kleinen Vorfall im deutschen Fernsehen. Da hat Rudi Carrell mit Büstenhaltern nach einem Bild von Ayatollah Khomeini geworfen. […] Die Bundesregierung hat sich bei den Ayatollahs entschuldigt.
(Broder ab Minute 1:26)

Richtig ist: zwar hat sich Carrell entschuldigt, nicht aber die Bundesregierung:

Bonn reagierte postwendend: Man billige den Sketch zwar nicht, ja man bedauere ihn sogar und halte ihn für geschmacklos, aber die Bundesregierung könne sich nicht für etwas entschuldigen, was sie nicht zu verantworten habe. Im Übrigen herrsche in Deutschland Pressefreiheit, es gebe im Gegensatz zu Iran weder Staatsfernsehen noch einen Zensor.
(Süddeutsche: Die Strumpfbandaffäre)

Broder weiter:

[…] heute habe ich […] gehört, daß in diesem Jahr in den Karnevalsumzügen wieder keine islamischen Themen auf die Wagen gestellt werden. […] Aber sonst haben sie gar keine Bedenken Angela Merkel oder George Bush durch den satirischen Kakao zu ziehen.
(Broder ab Minute 4:39)

Ein Artikel auf Spiegel Online am 15. Februar zeigt, daß Broder auch hier wieder die Unwahrheit sagt. Sowohl im Jahr 2006 als auch im Jahr 2007 gab es eine Thematisierung dieses Themas:

Ein Jahr danach scheint es, als habe Jacques Tilly Nachholbedarf. […] Die jecke Schonzeit für Muslime ist vorbei. „Wir gehen das Thema auf jeden Fall an“, kündigt Jürgen Rieck an, der Geschäftsführer des „Comitees Düsseldorfer Carneval“. Man wolle „deutlich werden“, ohne unter die Gürtellinie zu treffen. „Einer der Wagen hat’s wirklich in sich“, verspricht auch Tilly, der sei „hart an der Grenze“.
[…]
Und so ganz verzichteten die Düsseldorfer vor Jahresfrist auch nicht darauf, den Karikaturenstreit öffentlichkeitswirksam aufzugreifen, trotz aller Sicherheitsbedenken. So trugen die Jecken die Meinungsfreiheit symbolisch zu Grabe, den Sarg von einem Krummsäbel durchstochen.
(Spiegel: „Es muss krachen“)

Der 2007er Motivwagen zeigt zwei mit Krummsäbel, Pistole und Sprengstoffgürtel bewaffnete Turbanträger – besser dürfte sich Broders Wunsch kaum verwirklichen lassen. Im selben Artikel wird auch mit der Lüge aufgeräumt, die im zweiten Teil des Broderschen Satzes steckt:

Im vergangenen Jahr wurde zwei Tage vor Rosenmontag eine George-W.-Bush-Figur aus dem Zug gekippt. Düsseldorfer Rathauskreise hatten von dem grenzwertigen Motiv Wind bekommen und interveniert.
(Spiegel: „Es muss krachen“)

Broders Behauptung, es gäbe keine Bedenken gegenüber Satire in Bezug auf George W. Bush, ist also schlicht falsch.

Primärlinks:
Telebasel: Videointerview im wmv-Format
Spiegel: „Es muss krachen“
Spiegel: Bewaffnete Mullahs empören Muslime
Süddeutsche: Die Strumpfbandaffäre

Die Sache mit dem Plastikschwein

25. Februar 2007

Angeblich sollen einige Banken in Großbritannien darauf verzichtet haben mit Plastiksparschweinen zu werben, weil es die Gefühle der Muslime verletzen könnte. Diese Geschichte schaffte es im Oktober 2005 von einem kleinen englischen Regionalblatt über größere englische Zeitungen und internationale Medien bis in die einschlägigen islamophoben Blogs. Wo sie vermutlich auch Henryk M. Broder fand und sie nun als Beweis für die bevorstehende muslimische Machtergreifung in Europa verbreitet. Am 4. Januar 2007 im Spiegelartikel „Wehe, wer den Muezzin stört“

Britische Banken wollen ihren Kunden keine „Sparschweine“ mehr anbieten, weil Schweine im Islam als unrein gelten.

und am 2. Februar 2007 in „Broder, oder!“ bei watchberlin.

[…] es könnte sein, daß es dieses kleine, hübsche Schwein bald nicht mehr geben wird. Es gibt schon Sparkassen, die es nicht mehr ausstellen. Aus Angst, die Gefühle der Moslems zu verletzen.

Dabei ist diese Geschichte schon seit Oktober 2005 durch Anfrage an die entsprechenden Banken widerlegt:

Halifax has not withdrawn any piggy banks from branches. As a matter of fact we have not used piggy banks in our branches for a number of years.

und

There is absolutely no fact in the story. We simply had a UK wide savings marketing campaign, which included pictures of piggy banks, running until the end of September. Piggy banks have been and will continue to be used as a promotional item by NatWest.

Was aber Broder nicht anficht. Offenbar ist für ihn der Unterschied zwischen wahren und erfundenen Geschichten angesichts seiner Mission vernachlässigenswert.

Primärlinks:
Mediawatch: PC piggy or hogwash?
Islamophopia-watch: Piggy bank pork pies
Broder im Spiegel: Wehe, wer den Muezzin stört
Broder im Video von Watchberlin: Broder, oder?

Via:
Blog von Stefan Niggemeier: Broder? Oder!
Steinbergrecherche: Schweinepriester
Too Much Cookies Network: Henryk M. Broder’s Alptraum