Archive for the ‘achgut’ Category

Auf dem einen Nazivergleichsauge blind

12. Oktober 2009

Thilo Sarrazin hat ein Interview gegeben, in dem sich einige Anklänge an die nationalsozialitische Propaganda finden lassen, z.B. an

  • Unterteilung in nützliche und unnütze Menschen („Eine große Zahl an Arabern und Türken […] hat keine produktive Funktion“, „zwanzig Prozent der Bevölkerung, die nicht ökonomisch gebraucht werden“)
  • Vernichtungswünsche („Dieser Teil muss sich auswachsen.“)
  • Überschwemmungsphantasien („Die Türken erobern Deutschland […] durch eine höhere Geburtenrate.“)
  • Rassenüberlegenheit („wenn es osteuropäische Juden wären mit einem um 15 Prozent höheren IQ“)
  • Entmenschlichung („Ich muss niemanden anerkennen, der […] ständige neue kleine Kopftuchmädchen produziert.“)

Wie nicht anders zu erwarten wird Sarrazin dabei von Broder verteidigt, dessen einziger Kritikpunkt lautet:

Sarrazin hat Recht, man könnte ihm allenfalls vorwerfen, dass er in seiner Analyse nicht weit genug geht.

Henryk M. Broder: „Deutschland in Aufruhr“

Soviel zur Einführung, denn eigentlich soll es diesmal nur um einen kleinen Randaspekt gehen.

Frage: Wie nennt es Broder, wenn Stephan Kramer, Generalsekretär des ZdJ, benennt, in welch unseliger Tradition sich die Worte von Sarrazin befinden?

Gestern hat [Stephan Kramer] auf einer Pressekonferenz zusammen mit der “Türkischen Gemeinde” den Rücktritt von Thilo Sarrazin als Vorstand der Bundesbank verlangt – mit diesen Worten: „Ich habe den Eindruck, dass Sarrazin mit seinem Gedankengut Göring, Goebbels und Hitler große Ehre erweist, er steht in geistiger Reihe mit den Herren.“ […]
[Stephan Kramer] ist es, der sich wegen einer unsäglichen Verharmlosung des Dritten Reiches entschuldigen und von seinem Amt als Generalsekretär des Zentralrates zurücktreten sollte.

Henryk M. Broder: „Kramer, springen Sie!“

Eine „unsäglichen Verharmlosung des Dritten Reiches“ also.

Andere Frage: wie nennt man es, wenn Broder routinemäßig Nazi-Vergleiche anstellt, von denen „Kinder-Stürmer“ für die taz, die Gestapo-Gleichsetzung der Wiener Polizei und die Freisler-Vergleiche für Richter wohl nur die Spitze des Eisbergs sind und dann die verharmlosende Wirkung von Nazi-Vergleichen beklagt?

Senilität? Doppelmoral? Weggetretenheit?

Der Leser möge selbst entscheiden. Vermutlich steht derartige Selbstvergessenheit einfach ausserhalb jeder Kategorie.

Update: Da der angegebene Link zum Artikel „Kramer, springen Sie!“ von Henryk M. Broder inzwischen auf einen anderen Artikel verweist, ist hier der Artikel-Text archiviert:

Mein Freund Stefan Kramer raucht nicht, kifft nicht, trinkt nur Mineralwasser und arbeitet jeden Tag etwa 16 Stunden. Trotzdem rastet er gelegentlich aus. Erst vor ein paar Tagen hat er Harald Schmidt aufgefordert, sich zu entschuldigen, weil dieser mit einem Scherz das Dritte Reich verharmlost haben soll. Gestern hat er auf einer Pressekonferenz zusammen mit der “Türkischen Gemeinde” den Rücktritt von Thilo Sarrazin als Vorstand der Bundesbank verlangt – mit diesen Worten:

„Ich habe den Eindruck, dass Sarrazin mit seinem Gedankengut Göring, Goebbels und Hitler große Ehre erweist, er steht in geistiger Reihe mit den Herren.“

Worauf Agenturen und Zeitungen zu Recht titelten: “Zentralrat der Juden vergleicht Sarrazin mit Hitler.”
Kramers Vorwurf ist so absurd, so daneben, so gaga, dass sich eine inhaltliche Auseinandersetzung mit ihm verbietet. “Es gibt Sachen, die sind so falsch, dass nicht einmal das Gegenteil richtig ist”, würde Karl Kraus sagen. Und würde jemand auf die Idee kommen, Kramer mit Spinoza, Marx und Einstein in “eine Reihe” zu stellen, wäre das ebenso undiskutierbar. Bleibt also nur die Frage, was es sein könnte, das Kramer umtreibt. Vermutlich nackter Aktionismus, gepaart mit galoppierendem Realitätsverlust, wie er bei Generalsekretären politischer Organisationen zur Voraussetzung ihrer Tätigkeit gehört, eine Art “deformation professionelle”, die freilich nicht ganz unreflektiert daherkommt. In vielen Fällen steht die produzierte Empörung in keinem Verhältnis zu ihrem Anlass, es kommt auch vor, dass die Reaktion umso heftiger ausfällt, je nichtiger der Auslöser war.
Sich mit dem Bundespräsidenten anzulegen, der innerhalb von zwei Monaten gleich zwei praktizierenden Antisemiten (Langer und Mankell) die Ehre einer Auszeichnung erwiesen hatte, das hat Kramer nicht gewagt, da kam eine natürliche Autoritätsbremse zum Einsatz; sich auf Kosten von Sarrazin zu profilieren, der angezählt in einer Ecke steht, das geht allemal. Aber diesmal ist Kramer, der angesichts der schwindenden Bedeutung des Zentralrates eine taktische Allianz mit der “Türkischen Gemeinde” sucht, zu weit gegangen. Er ist es, der sich wegen einer unsäglichen Verharmlosung des Dritten Reiches entschuldigen und von seinem Amt als Generalsekretär des Zentralrates zurücktreten sollte. Das wird natürlich nicht passieren. Denn bei den Juden ist die Personaldecke ebenso dünn wie bei den Sozialdemokraten. Und da muss man jedem dankbar sein, der bereit ist, einen Job zu übernehmen. Und dazu hat schon Gustav Noske das Nötige gesagt und getan.

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APO, der Achsenpolizist

16. Januar 2009

Auf Brodaganda ist es etwas ruhiger geworden. Das liegt nicht zuletzt daran, dass inzwischen ein gewisser Alan Posener die Marktlücke entdeckt hat, von der bisher Brodaganda lebte. Wie eine furiose Ein-Mann-Watchblog-Armee erledigt er die Arbeit aller existierenden und potentiellen Achgut-Watchblogs, nur besser und praktischerweise direkt auf der Achse selbst. Hau ab, APO, die Marktnische ist nicht groß genug für uns beide!

Brodaganda dokumentiert im folgenden einige Highlights von Poseners Wirken:

Wir sind die Achse der Guten, nicht die Achse der Eiferer

Das dachte ich zumindest, bis ich Geert Wilders‘ Fieberfantasien hier las. Hier sind alle Elemente vorhanden, die den europäischen Antisemitismus und zuvor den christlichen Antijudaismus auszeichneten und auszeichnen: Generalverdacht gegen eine ganze Gruppe, unabhängig vom Verhalten des Individuums; Panikmache; die Theorie einer Weltverschwörung; Eliminationsforderungen. Statt der „Protokolle der Weisen von Zion“ muss der Koran als Beweis für die Weltherrschaftspläne von Menschen herhalten, die als Wirtschaftsflüchtlinge und Asylanten (z.B. aus Bosnien und dem Kosovo, wo eine christliche Soldateska wütete) zu uns gekommen sind. Und natürlich richtet sich der Hauptstoß des Islamophoben, wie damals der Antisemiten, gegen die „liberale Elite“ Europas. […]

Wer den Antisemitismus bekämpfen will, muss auch die Islamophobie bekämpfen

[…] Zu Küntzels teilweise haarsträubenden Argumenten werde ich noch Stellung nehmen. Wie so oft in solchen Fällen nahm jedoch die Wirklichkeit die Widerlegung der Ideologie selbst in die Hand. […] In seiner Kritik an dieser Tagung und im Versuch, jede Parallele zwischen alt-neuem Judenhass und neuem Muslimhass zu leugnen, führt Matthias Küntzel einige abenteuerliche Thesen an, die – da sie im „Wall Street Journal“ abgedruckt wurden – nicht unwidersprochen bleiben sollen. […]

Stotternde Stalinisten

[…] Aber hier geht es nicht um Journalismus. Hier geht es um eine Kampagne. Hier soll jemand fertig gemacht werden. Hier herrscht ein Vernichtungswille, den man nur als stalinistisch bezeichnen kann. Und ich weiß, wovon ich rede. […]

Solidarische Kritik

[…] Ich weiß zwar nicht, wer auf diesem publizistischen Netzwerk, dessen Mitglied zu werden ich eingeladen wurde, das Legitimitätsentscheidungsmonopol besitzt, und auch nicht, wer das “Wir” ist, das hier von “unseren” Freunden spricht. Aber das hört sich doch verdammt bekannt an; als ob jemand sagen wollte: “Nun ja, Genosse Posener hat zwar heftige Kritik am Genossen Küntzel geübt, aber wir von der Leitungsebene wollen das für heute unter solidarischer Kritik verbuchen und ihm einstweilen gestatten, weiter Parteimitglied zu sein, so lange er nicht von der Generallinie abweicht.” Uff, noch einmal davon gekommen. […]

Team Richard Wagner/Wolfgang Röhl vs. Realität

2. Oktober 2008

Der Psychologe Philip Zimbardo hat im Stanford Prison Experiment die menschliche Natur untersucht. Zusammen mit dem Milgram Experiment lässt sich wenig schmeichelhaftes über diese sagen: die meisten normalen, durchschnittlichen Menschen lassen sich unter geeigneten Umständen zur passiven oder gar aktiven Mitarbeit an Handlungen bringen, die sie in einem anderen Kontext vermutlich als unmenschlich ablehnen würden. Zimbardo sagt dazu in einem Interview folgendes:

Keiner versuchte, die bösen Wärter zu stoppen. Sie hätten sagen können: Lass uns aufhören, verrückt zu spielen. […] Wenige schaffen es, dem Druck zu widerstehen, dem Gruppendruck, dem Druck der Autorität. Faszinierend finde ich, dass wir nie vorhersagen können, wer das sein wird. Ein wichtiger Faktor ist das akzeptierte Sozialverhalten in der Gruppe. Was tun die anderen? Für was wird man belohnt?

Aus diesem Grunde zieht Zimbardo im Interview das Fazit: „Wir alle sind verführbar“. Das aber kann Richard Wagner nicht auf sich sitzen lassen, schließlich schreibt er ja für die „Achse des Guten“:

Zimbardos Fazit daraus: „Wir alle sind verführbar“. Das aber ist eine neue Form des Relativismus, es ist ein moralischer Relativismus, und, in den Zeiten des politisch Korrekten, wohl kaum überraschend. […] Nicht in einer von aggressivem Religionspotential gesteuerten Mentalität liege das Problem, sondern in der menschlichen Natur. Das heißt, wir sind auch nicht besser, trotz aller Grundsätze und Grundgesetze, als eine Gesellschaft ohne all das.

Der aufgeklärte Westler ist auch zu bösen Handlungen verführbar und nicht nur der zurückgebliebene Kamelficker? Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Gegen jede wissenschaftliche Erkenntnis erschafft sich das Weltbild von Richard Wagners da lieber ganz realsozialistisch einen besseren Menschen.

Das ist kurios. Denn gerade Richard Wagner und Achsen-Kollege Wolfgang Röhl sind bestimmt keine Geschwister Scholl. Eher im Gegenteil. Für Richard Wagner gehört Kritik am Vaterland in eine religiöse Kategorie, während Wolfgang Röhl sich „1000 Jahre Knast“ für diejenigen wünscht, die sich kritisch mit Menschenrechtsverletzungen in der Bundesrepublik beschäftigen:

Wenn vom 15. bis 24. August das „Antirassismus- und Klimacamp“ in Hamburg steigt, eine herrlich bunte Chaotenfete mit bis zu 2500 erwarteten Teilnehmern aus ganz Europa, kommen schnell mal 1000 Jahre Knast zusammen. Jahre wohlgemerkt, die hätten verhängt werden müssen, wenn Körperverletzungen, Landfriedensbrüche, Sachbeschädigungen usw., die bei früherer Randale wie in Heiligendamm verübt wurden, geahndet worden wären, was natürlich nicht der Fall ist.

Aber wie das mit 1000jährigen Dingen eben so ist: sie sind manchmal schneller zu Ende als von Wolfgang Röhl gewünscht. Denn warum wurden diese Straftaten „natürlich“ nicht geahndet? Weil sich viele Verfahren gegen Demonstranten als lächerliche Justizposse entpuppt haben, z.B. die Festnahme aufgrund des Besitzes einer Knirscherschiene. Und nun also ist Wolfgang Röhl ganz empört, dass Leute mit so gefährlichen Knirscherschienen, statt im Knast zu landen, frei herumlaufen und sich sogar in Antirassismus-Initiativen zusammenschliessen dürfen, um sich um Fälle wie den folgenden zu kümmern:

Dies war zum Beispiel im März 2005 der Fall bei Sarai Kameli, einer Iranerin, die wegen der Ehescheidung von ihrem muslimischen Mann und dem Übertritt zum Christentum bei erfolgter Abschiebung im Iran mit Steinigung bedroht gewesen wäre. Erst durch massive Proteste von Menschenrechtsgruppen und Kirchenvertretern vom niedersächsischen Landtag neu aufgerollt und als Härtefall zu Gunsten der Betroffenen entschieden.

Nun steht es natürlich jedem frei, dass einem solche Fälle völlig am Arsch vorbei gehen. Aber wie Wolfgang Röhl dann noch Leute in den Knast wünschen, die gegen staatliche Unmenschlichkeit ankämpfen – das ist arg zynisch. Da bleibt nur die Hoffnung, dass sich Wolfgang Röhl wenigstens nicht auch noch wie Richard Wagner für einen besseren Menschen hält.

The Spirit of Stupidity

24. September 2008

Eine unabdingbare Voraussetzung dafür, um eine gewisse Ideologie zu vertreten, ist offenbar nicht allzu helle zu sein. Was an IQ fehlt kann ja immer noch mit einem Überschuss an Ego wettgemacht werden. Nehmen wir z.B. den Blogger Telegehirn. Da raunt er ganz entsetzt, man dürfe doch in Bezug auf die „Achse des Guten“ nicht den Begriff „Netzwerk“ in den Mund nehmen:

Mich erinnern hier die einige Kommentare arg an Verschwörungstheorien. Aber Sie tragen ihren Teil dazu bei, wenn Sie von einem Netzwerk schreiben. Netzwerk müssten Sie, so finde ich, erst einmal definieren, denn Netzwerk hört sich so nach Verschwörung an, nach geheimen Absprachen. Da bekomme ich eben ein ungutes Gefühl.

Dabei hat das Telegehirn allerdings den simplen Fakt übersehen, dass es sich bei „Netzwerk“ schlicht um eine Eigenbezeichnung der Achse handelt. Eine klare Fehlleistung, die auch unter Berücksichtigung des Broder-Galinski-Urteils das Wort Depp durchaus sachlich begründet. Für unsere kleine Drama Queen aber immerhin ein guter Anlass ob dieses argumentativ blauen Auges giftig zu werden und abzurauschen:

Wenn Sie der Meinung sind, hier mit Beleidigungen reagieren müssen, Herr Niggemeier, dann lasse ich Sie mit ihren neuen Freunden aus der antizionistischen/antisemitischen Ecke mal alleine. Sie verstehen sich ja alle ganz blendend.

Telegehirn – ein sehr deutsches Opfer der antisemitischen Niggemeierverschwörung! Köstlich! Offenbar schwante ihm aber schon vorher, dass er argumentativ nichts reissen kann und ersetzte Argument kurzerhand mit Lüge:

@ Arendt: […] die Objekte ihrer Bewunderung (Hamas-Faschisten) […]

Auch fehlendes Textverständnis ist offenbar Teil der Voraussetzungen zur Aufnahme in den Klub. Das beweisen das Blog „Spirit of Entebbe“ und Blogger Claudio Casula mit dem Versuch der Kommentierung eines Textes von Michael Lüders. Betonung liegt auf Versuch, denn da geht natürlich schief, was nur schief gehen kann. Der ganze Beitrag ist ein erschütterndes Trauerspiel der Dummheit. Aber um den Leser nicht zu langweilen hier nur zwei Stellen als Beispiel:

Sieben Jahre nach 9/11 erklärt Michael Lüders im Leitartikel der Frankfurter Rundschau („Der falsche Krieg“), warum der Westen selbst schuld an islamistischem Terror ist.

„In der islamischen Welt ist ein Großteil der Bevölkerung davon überzeugt, El Kaida habe die Anschläge vom 11. September 2001 mit Hilfe der US-Regierung und Israels begangen. Absurd, gewiss. Und doch zeigt diese Wahrnehmung, dass der Westen den Kampf um die Köpfe und Herzen der Muslime längst verloren hat.“

Das ist natürlich Quatsch. Lüders macht hier eine rein sachliche Feststellung, die aussagt, ob seiner Meinung nach das erklärte Ziel der Vereinigten Staaten erreicht ist. Er lässt keine moralische Wertung einfließen. Von „Schuld“ ist nirgends die Rede. Anderes Beispiel:

„Das heißt konkret: Nicht länger unfähige und verbrecherische Regierungen, ob in Kairo oder in Islamabad, mit Geld zuschütten, damit sie – hoffentlich – eine prowestliche Politik betreiben.“

Interessant, dass Lüders zum Stichwort „unfähige und verbrecherische Regierungen“ in Nah- und Mittelost ausgerechnet Kairo und Islamabad einfallen – und nicht Beirut, Damaskus, Gaza/Ramallah und Teheran, wo die Unterstützer des islamistischen Terrors sitzen. Was deutlich zeigt, auf wessen Seite Lüders’ Sympathien liegen.

Wieder Unsinn. Lüders fallen diese Länder nicht lediglich zum Stichwort „unfähige und verbrecherische Regierungen“, sondern zum Stichwort „unfähige und verbrecherische Regierungen, die vom Westen mit Geld zugeschüttet werden“ ein. Dazu gehören seiner Meinung nach eben nicht z.B. Iran und Syrien. Diese Einschätzung mag man zutreffend finden oder auch nicht – aber es ist falsch, dass das „Lüders’ Sympathien“ aufzeigen würde, wie von Casula behauptet.

Das ist also der erschütternde Zustand, in dem sich unsere „prowestlichen Blogger“ befinden. Keine Ahnung haben, lügen, sich weinerlich als Opfer stilisieren und über ein Textverständnis verfügen, für das es noch nicht mal in NRW einen beliebigen Schulabschluss gäbe. Das trifft die zivilisierte Welt um so härter, als Pro Köln am Wochenende schon überrannt wurde. Es steht also gar nicht gut um den Volkssturm gegen die Machtübernahme des Islamofaschismus nächste Woche. Vielleicht wäre ja Kapitulation eine Lösung.

(Sinnloser Kommentarstreit fremder Leute gelöscht.)

Toleranz-Experten unter sich

21. September 2008

die Creme des Euro-Faschismus, die rechte Politcamorra des Alten Kontinents […]
‚Pro Köln‘ ist die zeitgenössische Variante des Nationalsozialismus, die, wenn sie könnte, wie sie wollte, mich in eine Gaskammer stecken würde.

Ralph Giordano charakterisiert „Pro Köln“, in: Erklärung von Ralph Giordano

Wie immer, wenn die Antifa aufmarschiert, war keine Fa da […]
mangels an Faschisten

Henryk M. Broder charakterisiert „Pro Köln“, in: Tollerantes Kölle

Also gehen sie jetzt schon auf die Straße, um gegen “Rechtsradikale” zu demonstrieren, die keiner wahrnehmen würde, wenn die Kölner Antifa nicht zu einer Demo gegen sie aufgerufen hätte.

Henryk M. Broder wirbt um Toleranz für „Pro Köln“ und einen Kongress Rechtsextremer, in: Tollerantes Kölle

Nicht wenigen Intellektuellen macht es Spaß, als Advokaten mörderischer Toleranz aufzutreten.

Henryk M. Broder kritisiert Henryk M. Broder, in: Kritik der reinen Toleranz

paramilitärisch organisierten linken Mob […] „zeitgenössischen SA-Kontrollpunkte“

Pro-Köln und Altermedia über die Antifa

SA-Rot-Rotte

Die Grüne Pest über die Antifa

Schrammas schwarze SA-Schergen

PI-Leser über die Antifa

die alternative SA

Henryk M. Broder im Jargon seiner Informationsquellen über die Antifa, in: Tollerantes Kölle

Maulhelden der Meinungsfreiheit

18. September 2008

Das LG Köln hat Henryk M. Broder in Teilen und im konkreten Kontext eine Äußerung gegen Evelyn Hecht-Galinski verboten. Brodaganda meint: Das konkrete Urteil ist ein gutes Urteil. Wie kann man aber für eine weit gefasste Meinungsfreiheit sein und sich selbst das Recht herausnehmen, andere mit scharfen Worten zu kritisieren – aber dennoch dieses Urteil nicht ablehnen?

Zuerst einmal haben die Richter in ihrer Urteilsbegründung erkannt, dass es Broder eben gerade nicht um die Kritik an einer Sache geht, sondern um die Diffamierung von Hecht-Galinski. Kritik darf scharf sein, aber sie bedarf der Begründung. Bei den konkreten Umständen spielt aber vor allem auch die publizistische Reichweite eine große Rolle. Das Thema Meinungsfreiheit vs. Kritik entwickelt sich im Allgemeinen zu Lasten derjenigen, die sich nicht auf ausgiebige Rechtsstreits einstellen können und deren Position in der Gesellschaft weniger gehört wird. Es ist eine gefährliche Entwicklung, wenn sich ein realweltlicher Vorteil z.B. in Kommunikationsmitteln auch vor Gericht fortsetzt. Eigentlich müsste das Rechtssystem eher das Gegenteil gewährleisten. Was kümmert es z.B. Frau Merkel, wenn Blogger Kewil sie als Ferkel bezeichnet? Nicht viel und eine juristische Auseinandersetzung darum wäre mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Umgekehrt sähe es aus, wenn Merkel Blogger Kewil erfolgreich verhöhnen könnte – die von ihr hervorgerufene Medienresonanz ist ungleich stärker. In diesem Sinne müssen vor Gericht die realen Gegebenheiten berücksichtigt werden. Broders medialer Wirkungskreis ist weit höher und er hat ein Publizisten-Netzwerk, welches ihm zur Seite springt. Unter diesem Umständen sind die Auswirkungen seiner Feldzüge größer und müssen im Zweifel strenger beurteilt werden.

Ein anderer wesentlicher Aspekt an der Sache ist, dass gerade diejenigen, die hier den „qualvollen Tod“ der Meinungsfreiheit wittern, sich im Allgemeinen eben nicht mit einer gesellschaftlichen Debatte zufrieden geben, sondern darauf zielen, den Gegenüber von der gesellschaftlichen Debatte auszuschließen. So gibt man sich z.B. im Falle der kruden Thesen des Sporthistorikers Arnd Krüger auf der Achse nicht mit gesellschaftlicher Debatte, negativer Presse für Krüger sowie der Einsicht und Entschuldigung Krügers zufrieden. Die Achse verlangt mehr: aber auch Rüge und Distanzierung der Vereinigung für Sportwissenschaft von ihrem Mitglied Krüger sind nicht genug. Die Universität Göttingen als Arbeitgeber von Krüger wird angegangen, weil sie völlig zu recht auf die wissenschaftliche Debatte verweist. Inzwischen sind Arbeitgeber offenbar ein üblicher Ansatzpunkt geworden, um den Gegenüber mit der Zerstörung der wirtschaftlichen Existenz unter Druck zu setzen. Der obligatorische Hinweis, Hecht-Galinski sei ja nur Hausfrau und lebe vom Namen ihres Vaters, dürfte auch Ausdruck kaum verholenen Ärgers darüber sein, dass Hecht-Galinski kein Ziel in diesem Sinne bietet. Schließlich ist aber Broders ursprünglicher Anlass für das Verfahren selbst beredt genug. Der Brief an Intendantin Piel:

vielleicht wäre es ihnen trotzdem möglich, herauszufinden, was die redaktion von “hallo ü-wagen”, dazu veranlaßt hat, frau evelyn hecht-galinski einzuladen […]

Broders selbst zum Ausdruck gebrachtes Ziel ist also nicht die Auseinandersetzung mit Hecht-Galinski, sondern deren Ausschluss aus der Debatte. Auch bei Achsen-Gastautor Clemens Wergin scheint dieser Aspekt deutlich durch:

so liegt der Skandal doch […] in der Tatsache, […] dass Hecht-Galinski so gerne zu Podiumsdiskussionen eingeladen wird, um […]

Eine ungeheure Heuchelei ist es daher, Broder nun als Held der Redefreiheit zu stilisieren. Zumal ein Gerichtsurteil wesentlich transparenter und besser demokratisch legitimiert ist, als Forderungen an die Arbeitgeber der Meinungsgegner zu richten.

Langfristig müssen wir uns damit abfinden, dass Geschrei, Ablenkung, Schmutzkampagnen, Lügen, Verdrehungen und die ganze Bandbreite emotionalen Fan-Geschreis in gesellschaftlichen Debatten immer weiter zunehmen und sachbezogene Kritik selten wird. Das Urteil ist für die Protagonisten dieser Entwicklung allenfalls ein kleiner Stolperstein auf dem Weg. Allerdings muss ich in diesem Sinne auch Kritik und Kunst recht geben: es wird keinen Zweck haben, gegen diese Tendenz auf Dauer mit juristischen Mittel anzugehen. Aber einstweilen ist dieses Urteil dennoch ein gutes Urteil.

Good news are no news (2)

11. August 2008

In Sachen Abschaffung der Steinigung im Iran hat Broder nun reagiert. Allerdings bezieht er sich nicht auf die Nachricht an sich, sondern nur auf die tatsächlich arg beschönigende Überschrift „Ein Gottesstaat kommt zur Vernunft“ eines Kommentars in der taz und zeigt damit demonstratives Desinteresse an der konkreten Entwicklung, an Fort- und Rückschritten der Menschenrechte im Iran. Es scheint, daß für Broder der Fall lediglich insofern ärgerlich ist, daß ihm damit ein Werkzeug der Agitation gegen den Iran abhanden zu kommen droht.

Wie folgende kleine Auswahl an Zitaten zeigt, wird auf der Achse die Barbarei von Steinigung und Handabhacken im Iran und anderswo gern als Anklagepunkt gegen Iran und Islam ins Feld geführt. Gibt es aber konkrete Fortschritte in diesem Punkt, dann ist das Thema plötzlich nicht mehr interessant. Nicht die Menschrechtslage ansich ist für die Achse also von Interesse, sondern diese eben nur insoweit, wie sie sich als Propaganda benutzen läßt.

„Islam ist Frieden“ (& much more) – Iran: Steinigung als Staatsgesetz (Henryk M. Broder)

Nicht einmal über die Steinigung von Frauen darf geredet werden (Henryk M. Broder)

Der Westen aber schweigt. Nicht nur bei Steinigungen. (Wolfram Weimer)

Das islamische Recht, das Biertrinker mit Auspeitschung, Diebe mit Handabhacken, Ehebrecherinnen mit Steinigung bestraft, entfaltete zumindest in Khartoum sein drakonisches, aber wirksames Regime und blieb auch nach Numeiris Sturz 1985 in Kraft. (Eugen Sorg)

zum Beispiel weiß ich durch die Scharia, dass es gegen islamisches Recht verstößt, bei der beliebten Steinigung den zu Steinigenden gleich mit dem ersten Stein ins Jenseits zu befördern (Wolfgang Röhl)

Was aber würde passieren, wenn eine Menschenrechtsgruppe solche drastischen Plakate zum Thema Mädchenverstümmelung im Sudan oder Steinigungen im Iran geklebt hätte? (Michael Miersch)

Ein Scharia-Gericht hat in Nigeria sechs Todesstrafen durch Steinigung verhängt. 46 Menschen wurden außerdem zu Amputationen verurteilt. (Wir weisen auf diese Geschichte unter Vorbehalt hin – es könnte sich auch im islamophobe Propaganda handeln. Näheres demnächst im BILDblog.) (Henryk M. Broder)

Noch lustiger wäre es nur, wenn die Künstler eine kleine Steinigung nachspielen (Henryk M. Broder)

Fass, Bad Blog, fass die Achse!

23. Juli 2008

Gratulation, Bad Blog! Da hast Du ja Ulrike Putz tatsächlich beim antisemiteln erwischt. Hat sie doch behauptet, es gäbe 4% Juden in den USA, obwohl es laut CIA Factbook nur 1,7% gibt. Ja, das alte Lied mit den Deutschen: fühlen sich immer von zu vielen Juden umzingelt. Wie? Das hast Du gar nicht bemerkt? Verstehe. Fakten sind nicht so Dein Ding.

Dann wolltest Du vermutlich eher darauf hinaus, daß es antisemitisch ist zu behaupten, durch ihr Geld würden die Juden in Amerika überproportional viel Einfluß auf die Politik haben. Berechtigter Punkt. Nur dann verstehe ich nicht, wieso Du Dich mit so kleinen Fischen wie Ulrike Putz abgibst, sondern nicht lieber gleich das antisemitische Schwergewicht angreifst: Die Achse des Guten.

America’s Jews account for a mere 2% of the U.S. population. But they have voted the Democratic ticket by margins averaging 78% over the past four election cycles, and their votes are potentially decisive in swing states like Florida and Pennsylvania. They also contribute an estimated half of all donations given to national Democratic candidates.

So whatever his actual convictions, it is a matter of ordinary political prudence that Barack Obama „get right with the Jews.“ Since Jews tend to be about as liberal as the Illinois senator on most domestic issues, what this really means is that he get right with Israel.

Da zitiert die Achse also fröhlich und unwidersprochen einen Artikel, in dem behauptet wird, die Juden, obwohl nur 2% der Bevölkerung zählend, würden fast 50% der Wahlkampfspenden der Demokraten beitragen. Die Juden und das Geld. Also, antisemitischer gehts ja kaum noch. Und zur Krönung des ganzen rät der Artikel Obama nur leicht verblümt, eine israelfreundliche Politik zu machen – sonst könnte das möglicherweise nichts werden mit seiner Präsidentschaft. Es ist empörend, daß die Achse den Juden so viel Macht über die Politik Amerikas zuschreibt. Warum schreitest Du da nicht ein, Bad Blog?

Achso, bei Ulrike Putz hast Du Dich lediglich auf die Stelle bezüglich der einflußreichen Lobby bezogen. Nun, da hast Du natürlich recht. Abstoßend ist es, das Geraune über die angebliche Lobby. Dennoch nicht einzusehen, warum Du die monströsen Äußerungen auf der Achse völlig unkritisiert durchgehen läßt. Go, get the Achse, Bad Boy!

Update: Ich wurde darauf hingewiesen, daß sich Ulrike Putz auf den Anteil der Wahlberechtigten bezog und nicht auf den Gesamtanteil in der Bevölkerung. Ich habe die Details nicht nachgeprüft, gehe aber davon aus, daß damit der erste Teil des Beitrages hinfällig ist. Brodaganda entschuldigt sich bei seinen Lesern für diese unkorrekte Information sowie bei Ulrike Putz und dem Bad Blog für die entsprechend falschen Unterstellungen.

Jungfrauen für Wolfgang Röhl

9. Juli 2008

Wir wollen mit Broder nicht so streng sein, weil er die Nürnberger Gesetze vermisst oder mit Wolfgang Röhl, weil er Greenpeace mit Neonazis gleichsetzt. Bei alten Männern sind derartige Provokationen oft nur ein Hilfeschrei nach menschlicher Zuneigung und körperlicher Nähe.

Aber: andererseits ist das auch ein wenig der Grund, weswegen es beunruhigend ist, woran Wolfgang Röhl denkt, wenn er Kinderbroschüren von Greenpeace betrachtet. Jedenfalls ist nicht anzunehmen, daß Röhl zufällig das Sternzeichen der abgebildeten Personen bekannt ist:

Unwissende Schüler und Besucher, die meisten von ihnen deutlich minderjährig, werden dort quasi en passant mit dem monokausalen Horror-Weltbild der Organisation […] vertraut gemacht. […] Alles Gute, symbolisiert durch ein Foto, auf dem eine ernst und konzentriert drein guckende Jungfrau ein pfeilschnelles Zodiac gegen die Weltzerstörer steuert, kommt von Greenpeace.

Schlauchbootfotos von Greenpeace? Das ist widerlich, Wolfgang Röhl. Bitte gehen sie weg. Weit weg. Von Kindern vor allem. Ich glaube mir ist schlecht.

Anmerkung: Hervorhebung im Zitat von Brodaganda.

Bäcker, statt Brötchen

4. Juli 2008

Broder übt sich gerne im Zynismus. Oder er probiert zumindestens, auf diese Weise Beachtung zu finden. Allerdings – man kann bei diesem Ausfall wohl nur von Sommerloch-Zynismus sprechen:

Im übrigen könnte man auch die Frage stellen, ob man von “Vertreibung” sprechen kann, wenn 5o% der “Vertriebenen” gerade 4o km vertrieben wurden.

Netter Versuch. Aber da geht noch was! Hier drei Vorschläge, wie sich Henryk M. Broder in der Zynismus-Kategorie noch steigern könnte:

  • Im übrigen könnte man auch die Frage stellen, ob man von „Armut“ sprechen kann, wenn 99,98% der Bundesbürger immer noch nicht gezwungen sind, ihre Kinder auf den Strich zu schicken.
  • Im übrigen könnte man auch die Frage stellen, ob man von Nichteinhaltung von „Menschenrechten“ im Iran sprechen kann, wenn 98% der Bewohner ja eigentlich nur Drecksmusel sind.
  • Im übrigen könnte man auch die Frage stellen, ob man von einer „Bedrohung“ Israels durch Selbstmordattentäter sprechen kann, wenn es in Wirklichkeit die Riesenchance für israelische Chirurgen eröffnet hat, die Weltbesten ihres Faches zu werden.

Na da muß wohl erst der Bäcker kommen und nicht die Brötchen. Aber da Du den Wettbewerb angefangen hast, Henryk, solltest Du jetzt bitte nicht neidisch rumheulen, nur weil Dich einer im Zynismus schlägt.