Einige meiner besten Freunde sind Kriegskritiker

Immerhin hat ein glücklicher Umstand nun zunächst die weitere Watchblog-Tätigkeit Alan Poseners sowie sein Zerwürfnis mit der Achse verhindert: der Gaza-Krieg. Das Gute an Kriegen: der Burgfrieden festigt eine Gruppe nach innen und verhindert interne Kritik. Gut für Brodaganda.

Nun hat sich Posener thematisch dem Krieg zugewandt. Um nicht als Springer-Autist zu erscheinen, setzt sich Posener zunächst einmal damit auseinander, was die Leute so reden:

Ich bin ja ein Springer-Journalist und wie alle Welt weiss, dürfen wir Springer-Journalisten Israel nicht kritisieren.

Aber Posener kann dieses unhaltbare Klischee glücklicherweise sofort als „Bullshit“ entlarven:

Und so heisst es ja auch in der Welt am Sonntag von Seiten des Chefredakteurs Thomas Schmid: „Wo Israel Fehler macht – und die gibt es nicht zu knapp – muss man die israelische Politik kritisieren“. Also bitte, das geht. Zum Beispiel manche Leute in der Redaktion sind der Ansicht, Israel hätte in Gaza nicht einmarschieren dürfen.

Darf Springer Israel kritisieren?

Überzeugende Beweisführung. Aber Moment! Haben wir das nicht schon einmal woanders gehört? Richtig, wenn ein deutscher Antisemit mit dem Satz „Einige meiner besten Freunde sind Juden“ anfängt, dann kann man sich ziemlich sicher sein, dass dahinter ein großes „aber“ platziert wird und der Satz im folgenden ins Gegenteil umschlägt. Genau so ist der Satz von Chefredakteur Schmid gemeint – und auch das Gerede von den „Leuten in der Redaktion“. Wäre das anders, hätte Posener sicherlich eine tatsächliche Springer-Kritik an Israel präsentieren können. Kann er aber nicht. Netter Versuch. Von Antisemiten argumentieren lernen heisst ja nicht automatisch siegen lernen.

Anschließend erklärt Posener, was legitime Kritik an Israel von Antisemitismus entscheidet:

Wo Kritik an Israel in Antizionismus und Antisemitsmus umschlägt, das ist der Punkt wo Israel deligitimiert wird, wo Israel dämonisiert wird und wo man eine doppelte Moral in Hinblick auf Israel anwendet.

Als Beispiel führt er aus:

Klar, das auch sonst… hier:  Berliner Zeitung, zivile Opfer, natürlich sind es palästinensische Opfer, und woher die Zeitung wissen will, dass es Zivilisten sind, da die Hamas keine Uniformen trägt, keine Ahnung. Oder die Süddeutsche Zeitung: natürlich müssen es auch da wieder Kinder sein, die in einem zerstörten Gebäude spielen.

Palästinensische Kinder

Na, geht doch: Springer-Journalist Posener ganz auf Linie der Bild-Zeitung, nach der es prinzipiell keine zivilen Opfer unter den Palästinsern gibt. Und wir haben endlich an einem anschaulichen Beispiel gelernt, was Antisemitismus ist: wenn die Süddeutsche Zeitung Kinder als Kriegsopfer zeigt. So schön einfach kann man die Gräuel des Krieges weg bekommen: einfach nicht zeigen. Wegbekommen zwar nicht in der Realität, aber wenigstens in den Köpfen der westlichen Welt. Denn darauf kommt es ja schließlich an.

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Eine Antwort to “Einige meiner besten Freunde sind Kriegskritiker”

  1. Gesammelte Gedanken - lesenswerte Beiträge 16. - 18.01.09 « Der AmSeL-Gedanke Plus = Gemeinschaft Says:

    […] Einige meiner besten Freunde sind Kriegsgegner … hübsches Beispiel für Moralvorstellungen und Weltanschauungen von „führenden Köpfen der Springer-Journaille“ am Beispiel eines „kritischen Artikels“ des Herrn Posener. […]

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