Archive for Januar 2009

Opfer sein für Anfänger

27. Januar 2009

Der letzte Beitrag „Hasserfüllte Fanatiker“ hat tatsächlich dazu geführt, dass sich ein solcher angesprochen fühlte (via Wendy). Und wie immer, wenn dieses Klientel sich in Rage redet, ist das entlarvend genug:

Wenn dann der deutsche Mob eben diese verhaut, die antisemitische Demonstrationen als Anlass zum Protest nehmen […] dann freust du dich und schreibst es ihnen selbst zu, so haben sie ja provoziert. Die Deutschen wussten schon immer genau, dass die Juden selbst Schuld am Antisemitismus sind, so wie du genau weißt wer für die Gewalt gegen Antideutsche und Israelsolidarische ist: Genau, sie selbst!

Da haben wir es also: mit den Antideutschen ist es ja im Prinzip so wie mit den Juden. Egal ob Opa bei SS, Wehrmacht oder Topf&Söhne war, das braucht den Antideutschen nicht mehr zu kümmern, denn jetzt ist er ja Jude. So wie Kampfhundbesitzer und Manager auch. In trauter Eintracht werden die Nachkommen der Täter nun Opfer, „genau wie die Juden“. Noch schöner wird es nur, wenn man dazu noch die historische Schuld großzügig bei anderen entsorgen kann. Man braucht selbst kein Täternachfahre mehr sein, wenn man das auch einfach den Museln zuschreiben kann, diesen Nazis. Vergangenheit abstreifen leicht gemacht. Hier liegt wohl der Schlüssel zum Verständnis der antideutschen Bewegung.

Wer noch zweifelt, wie diejenigen ticken, die sich so gern über die ihnen vom antisemitischen Mob drohende Gewalt  beschweren, der sollte sich den folgenden Kommentar in einem Blog durchlesen. So klingt es dann, wenn sich unsere tapferen Israelfahnen-Schwinger nicht gerade zum Opfer stilisieren:

# agent orange sprach am 5. Januar 2009 um 13:46h

hey [Name entfernt…], du alter antisemit. wir werden dich mal zeitnah in der ilsestr. besuchen. daher raten wir dir: spring lieber von der brücke bei dir um die ecke. am ende wird es so oder so nach selbstmord eines geisteskranken aussehen. also spring, [Name entfernt…], spring. so ersparst du dir jede menge leid und wir brauchen uns dein gewinsel um gnade nicht mehr anhören.

Hasserfüllte Fanatiker

20. Januar 2009

Es gilt natürlich weiter, was Brodaganda schon immer gesagt hat: Der Staat Israel ist ein liebenswerter, interessanter Staat in einer schwierigen Lage – nur seine deutschen Verteidiger sind gemeingefährliche Irre, die in Sachen Tugendterror locker selbst islamistische Organisationen in den Schatten stellen würden, wenn man ihnen nur genügend Macht dazu in die Hand geben würde.

Solidarität mit Kuba, Liechtenstein, Taka-Tuka-Land oder gerade eben auch Israel ist politisch eine feine Sache. Auf der menschlich-individuellen Ebene wiederum muss man ein wirklich zynisches Arschloch sein, wenn man Leuten, deren Verwandte gerade in den palästinensischen Gebieten getötet werden, unbedingt mit der Nationalflagge desjenigen Staates im Gesicht rumfuchteln muss, der sie getötet hat. Es ist traurig, aber kaum verwunderlich, wenn manche sogar meinen, derart sadistischen Geistern könnte man nur mit einer Tracht Prügel aus ihrer pubertäten Phase helfen.

Nun ist es natürlich das Recht eines jeden, in den Wunden der Palästinenser nochmal richig tief die Finger rumzudrehen. Aber wirklich ekelhaft ist die Doppelmoral, die dieses Klientel an den Tag legt, wenn andere auch mal Rechte für sich in Anspruch nehmen möchten:

Tatsächlich zeigten die Demonstranten mit ihren anti-israelischen Parolen, den Palästina-Flaggen, die sie haufenweise mit sich trugen, und einer Fahne der Hamas, deren Präsenz die letzten Zweifel darüber ausräumte, dass sie keineswegs der Wunsch nach “Frieden” auf die Straße trieb, sondern die klare Parteinahme für den Terrorkrieg gegen Israel.

Es mögen bestimmte Parolen und die einsame Fahne der Hamas zu kritisieren sein. Aber interessant ist, was den Demonstranten eben auch nicht zugestanden werden soll: der Wunsch nach einem Staat Palästina an der Seite Israels gemäß UN-Teilungsplan, der mit dem „haufenweisen herumtragen“ der palästinensischen Fahne ausgedrückt wird. Mit der Negierung des Rechts auf einen Staat Palästina einher geht der Traum national frustrierter (Anti-)Deutscher von einem Groß-Israel als Surrogat für den eigenen Nationalismus.

Dabei ist den selbsternannten Verteidigern Israels, die sich so gern als Opfer der Gewalt stilisieren, die ihnen angeblich vom Mob drohen würde, der Wunsch deutlich anzumerken, dieses gefühlte Verhältnis umzudrehen und selbst einmal ordentlich Gewalt auszuüben:

Die Organisatoren der Demonstration haben von der Hamas gelernt, wie man “palästinensische Familien” als Schutzschilder benutzt, indem sie ihre mörderischen Absichten hinter derer demonstrativer Unschuld verbergen. Bei den Hamas-Demonstrationen, die bereits in den vergangenen Wochen überall in Deutschland stattgefunden haben, spiegelte sich dieser Geist schon in der Form ihres Auftretens wider: Frauen und Kinder zuerst.

In die gleiche Kerbe schlägt die LJG Perusch:

Die anderen durften unter dem Schutz der Polizei weiter marschieren und ihre hasserfüllten Parolen skandieren.

Von welcher Gewalt gegenüber den Teilnehmern einer palästinensischen Demonstration muss man denn träumen, um auf den Gedanken zu kommen, diese würden sich hinter „Frauen und Kindern verstecken“? Von welchen Gewaltphantasien muss man getrieben sein, um ernsthaft der „Schutz“ der Demonstranten durch die Polizei zu bemängeln? Ohne von einem Angriff auf die Demonstranten zu phantasieren, ist der Schutz durch die Polizei völlig irrelevant, wie selbst ein wohlgesonnender Kommentator bemerkt hat.

Politically Incorrect für Israel

Da ist es folgerichtig kein Wunder, dass das rechte Blog „Politically Incorrect“ und die fundamental-religiöse „Partei Bibeltreuer Christen“ gern gesehene Gäste auf den Demonstrationen dieser Szene sind. Zur Erinnerung: Der Kommentarbereich von PI zieht Holocaustleugner an und die PBC möchte Juden durch christliche Missionierung ausrotten. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis ein findiger Reiseveranstalter auf die Idee kommt, Pauschalreisen nach Nahost anzubieten, damit brave Deutsche endlich wieder über Raketeneinschläge jubeln können. Hinter dem Ruf nach Solidarität mit Israel verschanzen sich hasserfüllte Fanatiker.

Einige meiner besten Freunde sind Kriegskritiker

17. Januar 2009

Immerhin hat ein glücklicher Umstand nun zunächst die weitere Watchblog-Tätigkeit Alan Poseners sowie sein Zerwürfnis mit der Achse verhindert: der Gaza-Krieg. Das Gute an Kriegen: der Burgfrieden festigt eine Gruppe nach innen und verhindert interne Kritik. Gut für Brodaganda.

Nun hat sich Posener thematisch dem Krieg zugewandt. Um nicht als Springer-Autist zu erscheinen, setzt sich Posener zunächst einmal damit auseinander, was die Leute so reden:

Ich bin ja ein Springer-Journalist und wie alle Welt weiss, dürfen wir Springer-Journalisten Israel nicht kritisieren.

Aber Posener kann dieses unhaltbare Klischee glücklicherweise sofort als „Bullshit“ entlarven:

Und so heisst es ja auch in der Welt am Sonntag von Seiten des Chefredakteurs Thomas Schmid: „Wo Israel Fehler macht – und die gibt es nicht zu knapp – muss man die israelische Politik kritisieren“. Also bitte, das geht. Zum Beispiel manche Leute in der Redaktion sind der Ansicht, Israel hätte in Gaza nicht einmarschieren dürfen.

Darf Springer Israel kritisieren?

Überzeugende Beweisführung. Aber Moment! Haben wir das nicht schon einmal woanders gehört? Richtig, wenn ein deutscher Antisemit mit dem Satz „Einige meiner besten Freunde sind Juden“ anfängt, dann kann man sich ziemlich sicher sein, dass dahinter ein großes „aber“ platziert wird und der Satz im folgenden ins Gegenteil umschlägt. Genau so ist der Satz von Chefredakteur Schmid gemeint – und auch das Gerede von den „Leuten in der Redaktion“. Wäre das anders, hätte Posener sicherlich eine tatsächliche Springer-Kritik an Israel präsentieren können. Kann er aber nicht. Netter Versuch. Von Antisemiten argumentieren lernen heisst ja nicht automatisch siegen lernen.

Anschließend erklärt Posener, was legitime Kritik an Israel von Antisemitismus entscheidet:

Wo Kritik an Israel in Antizionismus und Antisemitsmus umschlägt, das ist der Punkt wo Israel deligitimiert wird, wo Israel dämonisiert wird und wo man eine doppelte Moral in Hinblick auf Israel anwendet.

Als Beispiel führt er aus:

Klar, das auch sonst… hier:  Berliner Zeitung, zivile Opfer, natürlich sind es palästinensische Opfer, und woher die Zeitung wissen will, dass es Zivilisten sind, da die Hamas keine Uniformen trägt, keine Ahnung. Oder die Süddeutsche Zeitung: natürlich müssen es auch da wieder Kinder sein, die in einem zerstörten Gebäude spielen.

Palästinensische Kinder

Na, geht doch: Springer-Journalist Posener ganz auf Linie der Bild-Zeitung, nach der es prinzipiell keine zivilen Opfer unter den Palästinsern gibt. Und wir haben endlich an einem anschaulichen Beispiel gelernt, was Antisemitismus ist: wenn die Süddeutsche Zeitung Kinder als Kriegsopfer zeigt. So schön einfach kann man die Gräuel des Krieges weg bekommen: einfach nicht zeigen. Wegbekommen zwar nicht in der Realität, aber wenigstens in den Köpfen der westlichen Welt. Denn darauf kommt es ja schließlich an.

APO, der Achsenpolizist

16. Januar 2009

Auf Brodaganda ist es etwas ruhiger geworden. Das liegt nicht zuletzt daran, dass inzwischen ein gewisser Alan Posener die Marktlücke entdeckt hat, von der bisher Brodaganda lebte. Wie eine furiose Ein-Mann-Watchblog-Armee erledigt er die Arbeit aller existierenden und potentiellen Achgut-Watchblogs, nur besser und praktischerweise direkt auf der Achse selbst. Hau ab, APO, die Marktnische ist nicht groß genug für uns beide!

Brodaganda dokumentiert im folgenden einige Highlights von Poseners Wirken:

Wir sind die Achse der Guten, nicht die Achse der Eiferer

Das dachte ich zumindest, bis ich Geert Wilders‘ Fieberfantasien hier las. Hier sind alle Elemente vorhanden, die den europäischen Antisemitismus und zuvor den christlichen Antijudaismus auszeichneten und auszeichnen: Generalverdacht gegen eine ganze Gruppe, unabhängig vom Verhalten des Individuums; Panikmache; die Theorie einer Weltverschwörung; Eliminationsforderungen. Statt der „Protokolle der Weisen von Zion“ muss der Koran als Beweis für die Weltherrschaftspläne von Menschen herhalten, die als Wirtschaftsflüchtlinge und Asylanten (z.B. aus Bosnien und dem Kosovo, wo eine christliche Soldateska wütete) zu uns gekommen sind. Und natürlich richtet sich der Hauptstoß des Islamophoben, wie damals der Antisemiten, gegen die „liberale Elite“ Europas. […]

Wer den Antisemitismus bekämpfen will, muss auch die Islamophobie bekämpfen

[…] Zu Küntzels teilweise haarsträubenden Argumenten werde ich noch Stellung nehmen. Wie so oft in solchen Fällen nahm jedoch die Wirklichkeit die Widerlegung der Ideologie selbst in die Hand. […] In seiner Kritik an dieser Tagung und im Versuch, jede Parallele zwischen alt-neuem Judenhass und neuem Muslimhass zu leugnen, führt Matthias Küntzel einige abenteuerliche Thesen an, die – da sie im „Wall Street Journal“ abgedruckt wurden – nicht unwidersprochen bleiben sollen. […]

Stotternde Stalinisten

[…] Aber hier geht es nicht um Journalismus. Hier geht es um eine Kampagne. Hier soll jemand fertig gemacht werden. Hier herrscht ein Vernichtungswille, den man nur als stalinistisch bezeichnen kann. Und ich weiß, wovon ich rede. […]

Solidarische Kritik

[…] Ich weiß zwar nicht, wer auf diesem publizistischen Netzwerk, dessen Mitglied zu werden ich eingeladen wurde, das Legitimitätsentscheidungsmonopol besitzt, und auch nicht, wer das “Wir” ist, das hier von “unseren” Freunden spricht. Aber das hört sich doch verdammt bekannt an; als ob jemand sagen wollte: “Nun ja, Genosse Posener hat zwar heftige Kritik am Genossen Küntzel geübt, aber wir von der Leitungsebene wollen das für heute unter solidarischer Kritik verbuchen und ihm einstweilen gestatten, weiter Parteimitglied zu sein, so lange er nicht von der Generallinie abweicht.” Uff, noch einmal davon gekommen. […]