Vetternwirtschaft

Brodaganda freut sich, im folgenden einen Gastbeitrag des Autors „Der Aktionär“ veröffentlichen:

Es ist unglaublich, wie sich derzeit einige Personen des öffentlichen Lebens gleich reihenweise in der Disziplin der Selbstdemontage überbieten. Ein solches Opfer dieser Tage ist Herr Tiefensee, unser Verkehrsminister. Ich hatte mich ja schon im September gefragt, wie man so unbedingt ein Staatsunternehmen gerade in diesen Zeiten an die Börse bringen will. Nicht dass es schon lange zuvor kritische Stimmen gegeben hätte. Es leuchtet ja jedem logisch denkenden Menschen ein, dass der Staat heute für einen Verkauf der Deutschen Bahn AG einen Bruchteil des Kapitals erhalten würde, als noch vor einem Jahr, als die Börsen vor einem beispiellosen Absturz standen.

Zunächst hatte ich mich gefragt, ob im Aufsichtsrat dieser Bahn AG einfach nur Leute über einen Börsengang entscheiden, die selbst gar nicht wissen, was eine Aktie ist. Dann aber kam über die öffentlichen Medien eine Erklärung, welche mich dümmlich erscheinen ließ. Die Antwort war so einfach, wie das Geschäft selber ist. Na klar, die Herren, welche im Vorstand der Deutschen Bahn AG sitzen bekommen eine Provision für diese Abwicklung. Versteht sich also von selbst, dass sie das Geschäft, die Bahn an die Börse zu bringen, so schnell wie möglich über die Bühne peitschen wollen. Und zwar genau jetzt, auch wenn der Erlös der Bahn an der Börse wahrscheinlich nicht einmal die Kosten für die neuen Achsen der ICE Züge reinspülen würde.

Als dazu Herr Tiefensee gefragt wurde, beteuerte dieser, nichts davon gewusst zu haben. Nur wenige Tage später war klar, dass er es eben doch gewusst hatte. Nun gut, gewusst habe er es schon, räumte der Minister daraufhin ein, doch noch nicht so lange. Als eilige Übersprungshandlung entließ er schon mal seinen Staatssekretär aus dem Amt. Wahrscheinlich, um ein Zeichen zu setzen. Es dauerte wieder nur ein paar Tage und man belegte Herrn Tiefensee, dass er als Minister schon mindestens seit September, wahrscheinlich sogar seit Juni, Kenntnis über diese Bezüge des Vorstandes gehabt haben muss. Seitdem schweigt Herr Tiefensee über diese Angelegenheit und versteckt sich hinter seiner Kanzlerin. Gestern hat man ihn hinter ihrem Hosenzipfel hervorgezerrt und zur Rede gestellt. Neues kam dabei jedoch nicht heraus.

Wie muss man sich das eigentlich vorstellen, was da abläuft? Kann ein Minister sich so klar verlogen zur Unwissenheit bekennen, wenn er nicht selbst einen großen Happen von dem Kuchen abbekommen hat? Klar läuft hier in Deutschland nichts über direkte Banktransfers, das hatte ja schon seinerzeit Helmut Kohls Leumund zu tiefst ramponiert. Aber wir erinnern uns an Lustreisen und Freiflüge in der hohen Politik und überhaupt haben in Zeiten der Wirtschaftskrise Sachwerte auch mehr Konjunktur. Diese werden ja von der Bahn AG bezahlt, letztlich also vom Fahrgast. Möglich machen tut das der Vorstand der Bahn, welcher, wie wir schon festgestellt haben, ein vitales Interesse daran hat, die Bahn jetzt, und zwar genau jetzt an die todkranke Börse zu führen. Wie anders sollen die armen Kerle auch die teuren Geschenke für den Minister und wer noch aus dem Off daran partizipiert – ich denke da an unsere Schirmfrau und Worthülsenmaus Angela Merkel – bezahlen, wenn nicht über die Erlöse aus dem Verkauf der Deutschen Bahn? Da haben wir also schon zwei Parteien, welche einerseits die Entscheidungsmacht besitzen und andererseits auch noch daran verdienen, wenn sie solche Geschäfte durchdrücken. Das ist zum einen der Vorstand der Bahn und zum anderen deren größte Anteilseigner, die Bundesregierung. Fehlt aber noch einer im Bunde, denn alleine Essen macht ja bekanntlich dick.

Die dritte Partei sind die Banken, namentlich die Deutsche Bank, die UBS, die WestLB naja, 14 Banken eben. Und Banken kennen sich ja bekanntlich exzellent mit Börse und Risiken aus, wie wir alle wissen. Diese sogenannten Konsortialbanken begleiten den Börsengang der Deutschen Bahn AG, was sie sich natürlich auch wieder etwas kosten lassen. Wer zahlts? Ich überlasse die Antwort dem geneigten Leser. Denn wenn es weder Banken, noch Vorständen, noch Politikern auch nur eine Überlegung wert ist, den geplanten Börsengang der Bahn auf Grund des zu erwartenden geringen Erlöses unter den aktuellen Marktbedingungen zu verschieben, dann muss man davon ausgehen, bekommen die ihr Geld nur in zweiter Instanz vom Erlös selbst. Es ist eine fixe Summe, die sie ausgeschüttet kriegen, hauptsache der Deal findet statt. Auch die Banken werden nicht nach Erfolg bezahlt, nein, es ist eine einfache Dienstleistung. Man bezahlt ja auch seinen Frisör nicht nach Erfolg oder etwa seinen Finanzberater; das wäre abstrus nicht wahr?

Die Herren sind so erpicht auf die fast schon gewaltsame Durchführung der vetternwirtschaftlichen Verschleuderung, dass sogar der Teamgeist nachlässt. Der Stress im Wolfsrudel nimmt zu, die Bisse untereinander werden blutig. Denn als der Herr Tiefensee so in die Defensive gedrängt jetzt an den Bahnvorstand appelliert, doch auf die Bonuszahlungen zu verzichten und man muss schon sagen, das ist mutig, in einer Zeit, da das Kappen von Managergehältern allgemein hoffähig geworden ist, da schaffen es doch tatäschlich die Vorstände der Bahn, allen voran der Leitwolf Mehdorn, den Minister öffentlich dafür zu rügen.

Phänomenal, wie man so eine Sonderpirouette hinlegen kann, wo man doch gerade zur Weihnachtszeit diverse Züge in den Werkhallen hat verschwinden lassen müssen. Diese ICEs sind ausrangiert, weil die Bahn hübsch gemacht wurde für den Börsengang. Billige Achsen, billiges Qualitätsmanagement, hohe Fahrpreise und eine Flut von unzufriedenen Kunden, die ja doch immer wieder kommen werden. Soetwas muss sich doch auch in miesen Börsenzeiten exzellent verkaufen lassen.

So eine Spezialform der Selbstdemontage hab ich schon lange nicht mehr gesehen. Die sollten Nachhilfe bei Josef Ackermann nehmen. Der ist zwar auch ein Leitwolf unter Wölfen, doch immerhin ein Genius, was die Außendarstellung angeht. Denn die Deutsche Bank konnte letzte Woche 100 Millionen EUR Quartalsgewinn vorlegen; aufgrund geänderter Bilanzierungsregeln! Nach den Bilanzierungsregeln, welche noch vor der Verabschiedung des 500 Mrd EUR Packets für DAX notierte Unternehmen gegolten haben, hätte die Deutsche Bank nämlich -800 Milionen EUR Verlust gehabt. Das ist fast eine Milliarde, die da legal weggeschummelt wurde. Die Aktionäre dankten es und kaufen an dem Tag der Bilanzpressekonferenz. Denn wo Wölfe sind, da sind auch Schafe… oder war das umgekehrt? Also, Mehdorn und auch Tiefensee sollten schon jetzt einen Studienplatz an der Frankfurter Hochschule in Wirtschaftswissenschafen belegen. Denn dort wird Josef Ackermann als Ehrenprofessor unterrichten, wenn er schon bald in Pension gegangen sein wird.

Letzten Endes darf man ohnehin annhemen, dass sich auch Schafe… pardon, Käufer für die Bahn finden werden. Schade nur, dass der Bund dafür maximal ein kleines Taschengeld einstreichen wird.

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Eine Antwort to “Vetternwirtschaft”

  1. Brodaganda Says:

    Vielen Dank für den Beitrag. Besonders bemerkenswert finde ich die Einsparungen an den Achsen als Vorboten der Privatisierung – ich finde das sind Themen, mit denen sich lieber manche Jubelperser der Bahnprivatisierung beschäftigen sollten, statt damit, ob ihnen der Schaffner tief genug in den Arsch kriecht.

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