Stimmungs-Experten unter sich

Die Achse des Guten verlinkt einen Artikel von Reinhard Mohr auf Spiegel Online. Der Artikel ist nicht weiter der Rede wert, denn er bietet kaum mehr als eine exakte Paraphrasierung der folgenden Zeilen aus einem bekannten Pop-Schlager der neueren Zeit:

Gestern ging es allen dreckig
Heute geht es steil bergauf
Jeder hat 6 Richtige
Alle sind total gut drauf
[…]
Hip, Hip , Hurra!
Alles ist super , alles ist wunderbar
Hip,Hip, Hurra!
Alles ist besser als es damals war
Alle sind Freunde
Alle sind happy, alle sind froh
Und überall wo man hinguckt:
Liebe und Frieden und so

Allerdings: in einer unironischen Version. Was dazu überhaupt zu sagen wäre, hat schon das Blog Kritik und Kunst aufgeschrieben.

Mit folgenden Worten z.B. wendet sich nun also der Optimist Mohr gegen Schreckensnachrichten von schlechter Wirtschaft und Verelendung:

Jetzt sind die alten Reflexe wieder da. Seit Monaten scheint es um nichts anderes zu gehen als um Rentnerelend, Massenarmut, Jugendgewalt, Depression und Altersdemenz. […] Eine Schreckensstatistik jagt die andere. In ihrer medial zugespitzten Verbreitung suggerieren all die Zahlen und Prozente, was viele Deutsche immer wieder gerne hören: Es geht abwärts! […] Für die gefühlte Negativeinschätzung kann es jedenfalls nicht genug Prognosen, Studien, Umfragen und Expertenäußerungen geben. […]

Dass seitdem 1,4 Millionen Arbeitsplätze geschaffen wurden, was unter anderem die Jugendarbeitslosigkeit praktisch halbiert hat, dass das Wirtschaftswachstum samt Steuereinnahmen kräftig gestiegen ist und Deutschland auch 2008 vor China Exportweltmeister bleiben wird, spielt beim gegenwärtigen Lamento keine Rolle.

Tja, hätte man das mal nicht vorher mit dem Hauspessimisten von der Achse durchsprechen können? Denn Benny Peiser beliebt es, einen ganz anderen Artikel von Spiegel Online zu zitieren:

Das Studienergebnis ist bitter: Laut einem Standortranking von Ernst & Young schätzen Investoren vor allem Schwellenländer und Osteuropa, Deutschland wird dagegen immer unbeliebter. Noch düsterer sieht es im übrigen Westeuropa aus – die weltweiten Gewichte verschieben sich. Vielleicht wird bald “Westalgie” in Deutschland einkehren – die Sehnsucht nach einer Ära, als Deutschland und die westlichen Industrienationen noch unangefochten an der Spitze standen. Diese Zeiten sind vorbei, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Im Zweifelsfall gehen die Wirtschaftsexperten auf der Achse also einfach auf Nummer sicher und vertreten alle professionellen Einschätzungen gleichmäßig – na, warum auch nicht.

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Eine Antwort to “Stimmungs-Experten unter sich”

  1. Hartmut Says:

    Danke für die Blumen. habs nochmal etwas präzisiert. ist übrigens ein überragendes Beispiel dafür, wei leicht man Wirklichkeiten manipulieren kann, wenn die Mehrheit (noch!) nicht betroffen ist. Der Mehrheit, denen, die einen qualifizierten Job haben, geht es derzeit noch recht gut. Es trifft derzeit das untere drittel der gesellschaft mit erbarmungsloser Wucht.

    Deren Lage muss ich nicht verbessern, damit das (noch) privilegierte Bürgertum aufatmet. Ich muss die Verbesserung der Lage lediglich simulieren. „Aaaah, die reformen wirken wirklich!“… Was dieses Pack übersieht: dass sie mit gemeint sind, wenn die Eigenkapitalrenbdite gefälligst hochgekachelt zu werden hat. In Ei9nzelfällen haben sie es lernen müssen.

    und auf einmal wird nicht nur Müllmann Ali von der stadt entlassen (und darf beim privaten Entsorger für 30 % weniger wieder anfangen – der private Entsorger hat dann vermutlich „Arbeitsplätze geschaffen“ oder wie sich das schreibt!).

    Auf einmal triffts dann auch die 47jährige stellvertretende Fillialleiterin (denn herrn Ackermann reichen 18 % nicht mehr, er will 25 %). Den 51jährigen Wasserbauingenieur (denn sein Unternehmen ist unter hedgefondsräder geraten).

    Und dann stehen sie da und gucken ganz blöde aus der Wäsche.

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