Archive for Juni 2008

Achse der antiamerikanischen Amateurpsychologen

22. Juni 2008

Verwunderlich ist, was die Achse durch Gastautor Malte Lehming nun plötzlich zum Antiamerikamismus treibt. Vielleicht sind es ja schon die Vorboten einer Kursänderung im Falle des Wahlsieges von Barack Obama? Wer weiss. Jedenfalls wird nun auf der Achse der gemeine Ami als jemand gegeißelt, der den Irak-Krieg nur als Spiel sieht:

Wie macht Easy das bloß? Vielleicht so: Er hat einfach die Seiten gewechselt. Der Krieg war für ihn nur ein Experiment, ein Spiel. Wenn’s schiefgeht, wird halt der Trainer gewechselt.

So ist er halt, der dumme Ami. Spielt mit dem Leben anderer als ob es Baseball wär. Noch erstaunlicher geht es allerdings bei folgendem Zitat zur Sache:

Im Vordergrund standen die emotionalen Nachbeben des 11. Septembers 2001. Demütigung, Schock und Wut: Daraus war ein nationaler Aktionismus entstanden, für den Afghanistan und Irak wie eine Art Blitzableiter funktionierten.

Moment mal: Demütigung (also verletzte Ehre), aus der Wut entsteht, die dann gegen ein als Verursacher ausgemachtes Objekt gelenkt wird und sich dort entlädt? Ein kollektiver Ehrenmord, sozusagen? Das dient hier also als Beschreibung für die Motivation des Irakkriegs? Ist das nicht exakt jener Mechanismus, mit dem der Achse nahestehende Amateurpsychologen sonst eher die Psyche der „zivilitionshassenden Araber“ beschreiben?

Amerikaner wie ehrverletzte Araber betrachtet – also irgendwie eiert die Achse ein bißchen. Aber vielleicht möchte sie uns auch nur folgendes sagen: philo- und anti- liegen gar nicht so weit auseinander. Und wenn das Subjekt der Liebe mal nicht so will wie der Verehrer, dann kann ersteres leicht in letzteres umschlagen.

Die Achse in ihrem Lauf hält weder Ölpreis noch Peak Oil auf

20. Juni 2008

Die Achse des Guten ist vor kurzem etwas in die Defensive geraten. Die steigenden Ölpreise, an denen mal ausnahmsweise nicht die Bundesregierung schuld ist! Und dann hat sich auch noch Total als erstes Ölunternehmen zur „Peak Oil“ Theorie bekannt, wonach das Maximum der möglichen Ölfördermenge bald erreicht ist:

Unabhängige Experten ahnten es schon immer – nun gibt es erstmals ein Energiemulti zu: Die weltweite Ölförderung wird wohl bald ihr Maximum erreichen, warnt der französische Konzern Total. Bisherige Schätzungen seien „zu optimistisch“ – denn die Unternehmen finden nicht genug neue Vorkommen.

Wesentlich mehr wirds also vermutlich nicht mehr – und das zusammengenommen mit der rasant wachsenden Nachfrage in Asien … das läßt nun allerdings die von der Achse immer wieder angeprangerte Förderung alternativer Energien durch die Bundesregierung doch etwas vernünftiger aussehen. Aber das ficht die Achse nicht an. Zu solch unangenehmen Nachrichten äußern sich die Chefverdränger von der Achse einfach nicht. Einfach einen Gang zurückschalten, warten, bis Gras über die Sache gewachsen und dann wie gehabt volle Kraft voraus!

Stimmungs-Experten unter sich

10. Juni 2008

Die Achse des Guten verlinkt einen Artikel von Reinhard Mohr auf Spiegel Online. Der Artikel ist nicht weiter der Rede wert, denn er bietet kaum mehr als eine exakte Paraphrasierung der folgenden Zeilen aus einem bekannten Pop-Schlager der neueren Zeit:

Gestern ging es allen dreckig
Heute geht es steil bergauf
Jeder hat 6 Richtige
Alle sind total gut drauf
[…]
Hip, Hip , Hurra!
Alles ist super , alles ist wunderbar
Hip,Hip, Hurra!
Alles ist besser als es damals war
Alle sind Freunde
Alle sind happy, alle sind froh
Und überall wo man hinguckt:
Liebe und Frieden und so

Allerdings: in einer unironischen Version. Was dazu überhaupt zu sagen wäre, hat schon das Blog Kritik und Kunst aufgeschrieben.

Mit folgenden Worten z.B. wendet sich nun also der Optimist Mohr gegen Schreckensnachrichten von schlechter Wirtschaft und Verelendung:

Jetzt sind die alten Reflexe wieder da. Seit Monaten scheint es um nichts anderes zu gehen als um Rentnerelend, Massenarmut, Jugendgewalt, Depression und Altersdemenz. […] Eine Schreckensstatistik jagt die andere. In ihrer medial zugespitzten Verbreitung suggerieren all die Zahlen und Prozente, was viele Deutsche immer wieder gerne hören: Es geht abwärts! […] Für die gefühlte Negativeinschätzung kann es jedenfalls nicht genug Prognosen, Studien, Umfragen und Expertenäußerungen geben. […]

Dass seitdem 1,4 Millionen Arbeitsplätze geschaffen wurden, was unter anderem die Jugendarbeitslosigkeit praktisch halbiert hat, dass das Wirtschaftswachstum samt Steuereinnahmen kräftig gestiegen ist und Deutschland auch 2008 vor China Exportweltmeister bleiben wird, spielt beim gegenwärtigen Lamento keine Rolle.

Tja, hätte man das mal nicht vorher mit dem Hauspessimisten von der Achse durchsprechen können? Denn Benny Peiser beliebt es, einen ganz anderen Artikel von Spiegel Online zu zitieren:

Das Studienergebnis ist bitter: Laut einem Standortranking von Ernst & Young schätzen Investoren vor allem Schwellenländer und Osteuropa, Deutschland wird dagegen immer unbeliebter. Noch düsterer sieht es im übrigen Westeuropa aus – die weltweiten Gewichte verschieben sich. Vielleicht wird bald “Westalgie” in Deutschland einkehren – die Sehnsucht nach einer Ära, als Deutschland und die westlichen Industrienationen noch unangefochten an der Spitze standen. Diese Zeiten sind vorbei, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Im Zweifelsfall gehen die Wirtschaftsexperten auf der Achse also einfach auf Nummer sicher und vertreten alle professionellen Einschätzungen gleichmäßig – na, warum auch nicht.

Broder jumps the gun

7. Juni 2008

Broders Polemik erweist sich bekanntermaßen des öfteren als Rohrkrepierer, da er elementare Recherche scheut. Nun berichten Politisch Korrekt und Stefan Niggemeier darüber, wie Broder von Sebastian Edathy eine Forderung nach Beobachtung des Muslim-Marktes durch den Verfassungsschutz verlangt – obwohl diese längst gegeben ist. „Jumps the gun“ sagt man wohl im englischen dazu.

Etwas anderes, aber auch aufschlußreich. Broder schreibt:

Weil man “Ehrenmorde” nicht verhindern kann, soll wenigstens die Berichterstattung darüber verboten oder zumindest behindert werden.

Aber wen meint nun Broder mit jener mysteriöse Entität „man“, welche Ehrenmorde offenbar gern verhindern möchte, hilfsweise aber nun anordnet hat, die Berichterstattung über Ehrenmorde auf breiter Front zu verhindern? Die Bundesregierung, die CIA oder gar die jüdische Weltverschwörung? Nun:

Vor kurzem hat die Schwester eines Ehrenmordopfers eine Einstweilige Verfügung gegen ein Buch erwirkt, in dem die Tat und der Täter beschrieben worden.

Die Schwester des Opfers also. Na, ganz bestimmt der Mossad. Ganz ohne Grund, noch dazu:

Außerdem fühlt sich die Frau, ebenfalls zwangsverheiratet und ohne deutsche Sprachkenntnisse, verletzt, weil im Buch ihre Vergewaltigung angedeutet wird.

Da stellt sich doch die Frage, ob solche Stilblüten tatsächlich nur durch Broders Copy&Paste-Stil entstehen – oder nicht eher einen tieferen Einblick in die Entstehung der paranoiden Gedankenwelt Broders und insbesondere seiner Anhänger zulassen.