Tibet-Experten unter sich

Lhasa liegt nicht in Gaza und deswegen redet kein normaler Mensch, kein bekloppter Rentner und kein hysterischer Friedensaktivist von einem “Holocaust in Tibet”.

Henryk M. Broder, Achse des Guten, Lhasa liegt nicht in Gaza…

Und trotzdem wird das Märchen eines Holocaust in Tibet von Generation zu Generation weitergestrickt.

„Edward E. Nigma“, Bad Blog, Tibets Holocaust. Ein Märchen für Deutsche.

Experten-Tipp #1: einfach irgendwas beliebiges behaupten, was der eigenen Ideologie am nächsten steht. Merkt eh keiner.

I try to awaken the world to the holocaust of Cambodia

Dith Pran, zitiert von Dr. Benny Peiser, Achse des Guten, Roter Völkermord: „Killing Fields“ Fotojournalist Dith Pran gestorben

Experten-Tipp #2: Wenns nur um die Verbrechen der Kommunisten geht, dann ist auch Holocaustrelativierung gut genug.

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4 Antworten to “Tibet-Experten unter sich”

  1. Roger Kint Says:

    Also dass die Roten Khmer Kommunisten waren, die sich mit recht auf diesen Begriff bezogen haben und gegen deren Verbrechen die Achse des Guten nur aus zwanghaftem Antikommunismus wettert, wie Du impliziert, ist schon eine sehr wunderliche Parteinahme. Dass sie „einen“ Holocaust verübt haben oder verüben wollten ist natürlich Unsinn, ebenso allerdings die Idee, dass ausgerechnet Dith Pran irgendeine interessierte Relativierung der Shoa vor hatte.

    Nigma hat einen Beleg für die Formulierung „Holocaust in Tibet“, und es gibt massenhaft Leute, die in Bezug auf Tibet zumindest von Völkermord oder „kulturellem Genozid“ sprechen. Von einem „Märchen vom Holocaust in Tibet“ zu sprechen, das von „Generation zu Generation weitergestrickt“ werde, ist stark überzogen – Vor allem, wenn man den Begriff „Holocaust“ innerhalb dieser Unterstellung wörtlich versteht und nicht als bewusste Überzeichnung der dramatisierenden Falschdarstellungen zu Tibet versteht.
    Broder hingegen hat recht in dem Sinne, dass den von ihm benannten Leuten (Exiltibeter werden nicht aufgeführt!) der Begriff „Holocaust“ in Bezug auf Gaza deutlich leichter über die Lippen geht, vor allem weil sich diese Leute (gerade in Deutschland!) scheint’s pathologisch mit dem „Nahostkonflikt“ beschäftigen und andere Konlfikte nur allzu gerne Verdrängen, wenn man sich die letzten 30 bis 40 Jahre anguckt. Dass die Mönchssolidarität in den letzten Wochen auf einmal Hochkonjunktur hat und die Leerstelle an reisserischen Falschdarstellungen und Verzerrungen nun aufgeholt werden muss, macht Broders Einschätzung nicht falsch.

    So absolut ist der Widerspruch zwischen Broder und Nigma also keineswegs, wie Du ihn darstellst..

  2. Brodaganda Says:

    Die Perspektive, die Roten Khmer Kommunisten zu nennen, habe ich lediglich dem von Peiser zitierten Artikel entlehnt. Es liegt nahe, daß es auch Peisers Perspektive ist, darauf war der Satz bezogen. Im übrigen ist das letzte was ich will, zu implizieren, daß es Antikommunismus bedürfte, um die Roten Khmer zu kritisieren.

    Aber es ist vielleicht nicht Sinn der Sache, auf alle Einzelaussagen isoliert einzugehen, deswegen versuche ich nochmal den inhaltlichen Bogen zu spannen: Wenn ich es richtig verstehe, so sagst Du, daß Nigmas Darstellung „stark überzogen“ ist und Broders Darstellung eben in „bestimmtem Sinne“ verstanden werden müsse. (Übrigens stammt Broders Beitrag vom 15.03.2008 und er bezieht sich eindeutig auf die aktuelle Situation.)

    Aber genau das ist mein Punkt der Kritik. Broder und Nigma liegen ideologisch nicht weit auseinander und mich täts auch nicht wundern, wenn beide nächste Woche die Sätze über Kreuz tauschen.
    Aber dennoch produzieren sie durch Überzeichnung und einseitige Darstellung einander klar widersprechende Aussagen. Man kann ihre Aussagen nicht zuverlässig und belastbar verstehen, sondern eben nur einem bestimmten Sinne nach, ausschnittsweise, gefiltert nach einer Perspektive. Je nachdem, welches aktuelle ideologische Interesse gerade überwiegt, kann von ihnen alles „belegt“ werden – eine Aussage oder ihr genaues Gegenteil. Was mich stört, ist eben diese Beliebigkeit in der Argumentation. Fakt und Agitation, Wahrheit und Lüge verschmelzen zu einem ununterscheidbaren Brei und somit bleibt das Ganze bei einer Selbstbestätigung für Insider stehen.

  3. Roger Kint Says:

    big deal. Man kann die Aussagen zweier Polemiker nicht belastbar, nicht wörtlich verstehen.

    Broder und Nigma liegen in so einigen Punkten nicht so nahe beieinander, wie es den Anschein hat. Tibet dürfte einer sein. Dass beide deshalb ihre Meinung als die minoritäre darstellen, ist argumentationstechnisch nicht ungewöhnlich. Dass sie beide überzeichnen und sich trotzdem NUR augenscheinlich widersprechen, ist doch das eigentlich spannend. Broder hat recht: Der deutschen „Linken“ (Friedensbewegung et al) war Tibet nie so sehr herzensangelegenheit wie gaza, und letzteres war die dankbarere Projektionsfläche zur Relativierung der Shoa. Nigma hat recht: In der Tibet-Euphorie der letzten Tage wird so einiges nachgeholt, die belegte Behauptung eines Holocaust ist ein Teil davon. Nigma wird niemals von seinem geschriebenen Wort auch nur einen Milimeter abrücken, trotzdem müsste er schlicht zugeben, dass seine Rede von einem Holocaustmärchen sei Generationen in dieser Form stark übertrieben war, und schon wäre es mit dem von Ihnen aufgedeckten Widerspruch Essig.

  4. Brodaganda Says:

    Nun, die Polemik führt ja nicht zufällig zu den Inkonsistenzen. Meiner Meinung nach stehen da zwei widersprüchliche Denkmodelle dahinter, die manche dennoch gern parallel betreiben würden:

    a) Der Deutsche sucht überall nach Entlastung durch Vergleiche mit dem Holocaust (in diesem konkreten Fall Tibet).
    b) Der Nahostkonflikt ist durch eine besonders perverse Fixierung der Deutschen der einzige Konflikt weltweit, der mit dem Holocaustvergleich belegt wird (und allgemeiner: der Nahostkonflikt ist der einzige Konflikt, den der Deutsche überhaupt beachtet).

    Nun kann man aber schlecht beides zugleich haben wollen, wenn einem jedes an verschiedenen Stellen in den Kram passt. Dieses Dilemma versuchst Du aufzulösen, in dem Du argumentierst: „a)“ wäre ja nur durch die „Euphorie der letzten Tage“ ausgelöst, der gemeine Deutsche will da was „nachholen“. „a)“ wäre somit quasi nur temporär wahr.

    Netter Versuch, aber ganz blöde bin ich nun auch nicht. Die DVD hat garantiert nichts mit der „Euphorie der letzten Tage“ zu tun, denn so eine DVD produziert sich nicht in wenigen Tagen. Ich denke wenn, dann wird eher andersrum ein Schuh draus. Die „Hardcore-b)“-Fraktion ist durch die aktuelle Nachrichtenlage in Verlegenheit gebracht worden. So sie die Widersprüche überhaupt wahrnimmmt, müssen sie ihre Theorien zur eigenen Ehrenrettung rasch umstricken, wie von Dir vorgemacht – bis man sich darin verheddert. Broder ist außen vor, der würde seine gefrorenen Dogmen überhaupt kein bißchen mehr mit der Realität abgleichen, selbst wenn sich ein Elefant draufsetzt.

    Übrigens legt ja Broder bezeichnenderweise mit dem Rest seines Beitrages auch ein äußerst mieses Timing an den Tag. Genau mit diesem Timing entlarvt er halt seine Polemik als Flucht vor dem Realitäts-Check.

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