Einem nützlichen Rechtspopulisten kein Auge aushacken

Süß wie ein trotziges Kind kann die Achse des Guten wirken, zum Beispiel wenn sie mit einem Text des hauptberuflichen Leserbriefschreibers Jörg Haller aufstampft:

Sie bezeichnen Geert Wilders als “Rechtspopulisten” – diese Bezeichnung ist diffamierend. […] Bitte unterlassen Sie diese Formulierung, denn diese Diffamierung ist mehr als ungerecht…

„Ungerecht“ also. Moral ist der Achse normalerweise zuwider, aber zu besonderen Anlässen hängt sie sich eben auch gerne mal die moralische Flagge ins Fenster.

Aber kann jemand ernsthaft ein Rechtspopulist sein, dessen Partei einen „Verringerung des Einfluss der Europäischen Union“, ein „Verbot der Errichtung weiterer Moscheen“ und einen „Einwanderungsstopp“ fordert? Nicht für die Achse des Guten. Hier hat man andere Maßstäbe. Schließlich spricht man sich auch dagegen aus, daß Gelder im Kampf gegen Rechts aufgestockt werden, nimmt Deutsche als Opfer ausländischer Sozialbetrüger wahr und sieht Kritik am Vaterland äußerst ungern.

Außerdem: ein Islamophobiker kann per se kein Rechtspopulist sein – denn damit würde sich die Achse ja selbst ins Bein schießen. Aber wie genau will man das nun begründen? Jörg Haller hat da eine Idee:

Genau dies tut Geert Wilders nicht, wenn er wahrheitsgemäß aufdeckt, was der Koran sagt […] Leider muß ich feststellen, daß auch n-tv […] letztlich nichts weiter als Mainstream bietet, der oft mit der Wahrheit und mit Notwendigkeiten in der Politik nichts zu tun hat.

Der Kampf um die Wahrheit ist es also das Merkmal, welches jemanden nicht zum Rechtspopulist werden lassen kann. Dieser Logik stimmt auch Broder zu, allerdings bezogen auf den ermordeten Pim Fortuyn. Tatsachen sind schließlich auch Wahrheit:

Schon der vor sechs Jahren von einem fanatischen Tierrechtler ermordete Politiker Pim Fortuyn galt als ein „Rechtspopulist“. Er war in der Tat sehr populär, aber nicht weil er „rechts“ war, sondern rücksichtslos auf Tatsachen hinwies, die von den traditionellen Eliten der holländischen Gesellschaft beharrlich ignoriert wurden.

Wiederholen wir also noch einmal: ein Rechtspopulist kann keiner sein, der den Kampf um die Wahrheit ficht, insbesondere rücksichtslos. Das ist nun aber mal eine wirklich bestechende Logik, von der auch das selbsternannte „Wochenblatt zum Kampf um die Wahrheit“ profitiert. Na, da kann sich Jörg Haller ja schon mal ausdenken, warum es sich hier keinesfalls um „strukturelle Parallelität“ handeln kann.

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