Faktenbrechen

Das war eigentlich die interessanteste Frage: wie reagiert Broder, wenn man ihn direkt nach seinem gestörten Verhältnis zu Fakten befragt. Nimmt er seine Lügen als solche wahr? Hält er die Wahrheit nur für einen vernachlässigbaren Faktor bei seiner Mission? Oder glaubt er an seine Geschichten?

Die Frage kann nun als beantwortet gelten. Broder antwortet folgendermaßen auf einen Artikel von Stefan Niggemeier:

Die Polizisten der Stadt Zürich wurden nicht, wie von mir behauptet, zum Fasten sondern zu „einem gemeinsamen Fastenbrechen mit Muslimen“ aufgefordert, was sogar dort, wo Niggemeier seine Schweinehaxe bestellt, nur funktionieren kann, wenn vor dem Brechen gefastet wurde.

Broders altersdebiles Gehirn ist also einfach nicht mehr in der Lage, eine Sache und ihr genaues Gegenteil auseinanderzuhalten. „Essen“ ist für ihn also gleich „Fasten“, weil … irgendwas mit Yin und Yang und dem kosmischem Ausgleich vielleicht? Nein, das ist broderscher Unfug. Natürlich muss keiner fasten, nur weil er von Muslimen zu Dialog und Abendessen eingeladen wird. Gar kein Zweifel.

Die Eingangsfrage kann also nun folgendermaßen beantwortet werden: Broder ist schlicht senil. Er liest irgendwo etwas oberflächlich und versteht es falsch bzw. schnappt die Fehlinformationen in den einschlägigen rechten Hetzblogs auf. Und dann hindert ihn eine unglückselige Quadriga aus Selbstüberschätzung, Alterstarrsinn, Rechthaberei und Realitätsverweigerung einfach nur daran, wieder davon abzurücken. Und mit der Zeit wird so die Differenz zwischen Real- und Phantasiewelt in seinem Kopf immer größer.

Broder ist das eine, aber wie erklärt sich dieser geistige Tiefflug nun Broders offiziellem Fanklub? Man stellt dort ab auf den „Unterschied zwischen publizistischer und journalistischer Arbeit“ (Jörg Friedrich). Aus irgendeinem geheimnisvollen Grund reiche es für die publizistische Tätigkeit aus, eine Meinung zu haben und durchsetzen zu wollen. Wahrhaftigkeit könne man nur von journalistischer Tätigkeit erwarten.

Überhaupt nicht erklären kann Jörg Friedrich die berechtigte Frage, wieso er Broder gerne zugesteht, zu radikalisieren, um zwei Absätze später vor den Gefahren der Radikalisierung zu warnen. Und wieso er Broder die Polemik und Beleidigungen zugesteht, die er Niggemeier übelnimmt – obwohl letztere eher nur eine Anspielung auf erstere sein dürften. Desweiteren stören nicht die demagogischen Verdrehungen von Broder, sondern diejenigen, die darauf aufmerksam machen. Weil: da müsse doch auch mal gesagt werden, „warum ich das tue“ (Jörg Friedrich). Oder: schlimmer sei es, sich nicht „durch eine eigene Meinung angreifbar zu machen“ (Bernd). Die Hauptsache scheint, das „richtige“ Anliegen zu haben.

Wer im Broder Fanclub sitzt, muß also offenbar die absurdesten Verrenkungen unternehmen und ein gehöriges Maß an Doppelmoral aufbringen, um sein Weltbild vom provokanten Tucholsky-Nachfolger zu retten. Nun, es ist ja nichts neues, wie „geistig flexibel“ Menschen sein können, um ihr angeschlagenes Weltbild zu retten.

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