Archive for Februar 2008

Zusammengebrodert (1)

28. Februar 2008

Ein Artikel in „Das Magazin“ zeigt die Problematik von Broders Angewohnheit auf, sich seine Artikel aus schon oft zuvor verwendeten Material zusammenzuklicken. Richtiges liegt dicht neben Falschem und zwischen Anfang und Ende herrscht äußerste Inkonsistenz.

So hebt Broder am Anfang die hiesige Religionsfreiheit hervor und spuckt in dieser Hinsicht den Hardcore-Islamophoben in die Suppe:

Man kann Menschen […] nicht die Ausübung ihrer Religion verbieten. […] Für den Bau von Moscheen ist, in der Schweiz wie in Deutschland, die jeweilige Bauordnung zuständig.

Vergessen ist dieses bedingungslose Bekenntnis zur Religionsfreiheit dann aber am Schluß. Dort plädiert er dafür, die Religionsfreiheit unter bestimmte Bedingungen zu stellen bzw. zumindestens darüber zu diskutieren:

Jetzt warten wir ab, bis in Mekka eine Kirche gebaut wird, die man schon von Weitem sehen kann. Und dann erklären wir die Diskussion um Moscheen und Minarette in Europa für beendet und lassen die Bagger anrollen. Das ist die schöne Wunschvorstellung.

Doch was soll Europa tun, wenn die Saudis weiterhin keine christlichen Kirchen in Mekka zulassen? Die Moscheen und Minarette bei uns abreissen? Weitermachen wie bisher? Europa drückt sich um jede Entscheidung, und deshalb führen uns die Muslime langfristig an der Nase herum.

Nun ist es ja nicht so ungewöhnlich, daß sich Menschen auch mal widersprüchlich äußern. Aber innerhalb eines Artikels? Ich vermute, die Erklärung liegt in der Copy&Paste-Erstellung von Artikeln in Verbindung damit, daß Broder sein Fähnlein oft bei verschiedenen Gelegenheiten gegen den Wind hängt – und die klare Linie somit zum Beliebigkeits-Schlingerkurs mutiert.

Das mag innenpolitisch gelten. Außenpolitisch hat er allerdings eine klare Agenda. Und so zieht er also eine Parallele zwischen der Behandlung von Despoten der islamischen Welt und der Behandlung islamischer Religionsfreiheit vor Ort.

Und so treiben alle europäischen Regierungen im Interesse ihrer Handelsbilanzen eine ausgeprägte Appeasement-Politik mit Banditen und Despoten, derweil die Bürger Petitionen gegen den Bau von Moscheen bzw. Minaretten verfassen.

Das ist natürlich völliger Quatsch, weil es zwischen diesen beiden Dingen keinen Zusammenhang gibt und auch keinen geben sollte. Ob Broder eigentlich Rabatt auf seine Artikel gibt, wenn er für den Iran-Krieg trommeln darf?

Der Bürger in Berlin und Bern macht sich natürlich Sorgen um die Ruhe und den Frieden in seiner Nachbarschaft. […] Andererseits ist es ihm völlig egal, wessen Ruhe und wessen Frieden durch die Politik des iranischen Präsidenten bedroht wird.

ps: Übrigens hat auch „Das Magazin“ zwischenzeitlich erkannt, daß es sich mit Broders inkonsistenten Artikel ein Problem an Land gezogen hat:

Das Magazin hat ein Problem

(Tatsächlicher Screenshot, keine Bildbearbeitung)

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Wahlkoholiker

25. Februar 2008

Wenn die Achse des Guten mal subtil sein will, dann läßt sie sich über jene 50% Stimmen in Hamburg aus, die an „Traumtänzer, Sektierer und Extremisten“ gingen. Aber wer ist gemeint? Da es sich um die Hälfte handelt, ist nicht eindeutig, welche. Wie subtil!

Auch die Überlegung, ob mit Extremismus vielleicht Verfassungsfeindlichkeit gemeint ist, führt nicht weiter: wer plant gerade den größeren Abbau von Verfassungsrechten, die CDU oder die SPD? Man weiß es nicht. Wolfgang Röhl (Gastautor) wohl auch nicht. Aber wenn die politischen Koordinaten verloren gehen, kann man ja immer noch zur Flasche greifen.

Großisrael von Broders Gnaden

25. Februar 2008

Denkt Broder an Ethnien, deren Recht auf einen eigenen Staat in Frage steht, dann fallen ihm natürlich sofort die Palästinenser ein. Was kann aber nur die Schlußfolgerung sein, wenn Broder die Basken und Katalanen mit den Palästinensern gleichsetzt? Die einzige Schlußfolgerung ist, daß der Staat Israel das ganze historische Palästina umfaßt und die Palästinenser zu einer Ethnie innerhalb dieses Staates erklärt werden, die sich lossagen wollen. Wenn Broder in Gedanken also so bei Großisrael ist, warum immer nur so durch die Blume gesagt? Und warum entblößt Broder eigentlich bloß immer seine eigene ideologische Voreingenommenheit, wenn er eigentlich die anderer entblößen will?

Chemical Brothers

23. Februar 2008

Die Verschwörungstheoretiker Dirk Maxeiner und Michael Miersch nehmen nun nach dem Klimawandel die Biokost in die Mangel. Vorbild ist Alex Avery vom Hudson Institute, ein Lobbyist für Monsanto, DuPont, Novartis, Dow und andere Hersteller von Agrar-Chemie. Averys Ziel ist es offenbar, möglichst viel Chemie unter die Leute zu bringen. So war eines seiner Hauptanliegen, die Nitrat-Grenzwerte für Trinkwasser zu erhöhen. Sein Buch „Die Wahrheit über Bio-Lebensmittel“ ist nun auf deutsch erschienen. Darin möchte er wohl den Leuten weismachen, daß eine unter starkem Pestizideinsatz gezogene Paprika keinesfalls ungesünder sein kann als eine Bio-Paprika. Klar, das Zeug muss ja irgendwie verkauft werden.

Kein Wunder, daß das inspirierend auf die „Fortschrittsoptimisten“ Maxeiner und Miersch wirkt. Aber was soll man von einem Buch halten, dessen bisherig einzige Jubel-Rezension auf dem deutschen Amazon von Franziska Grübner-Schweickhoff eine aufgebohrte Version des offiziellen Werbetextes ist, aber von ihr mit „ausgewogene Darstellung aus neutraler Sicht“ überschrieben wird? Drei von vier Grübner-Schweickhoffs Rezensionen sind übrigens dem Kampf gegen die Öko-Verschwörung gewidmet. Nebenbei bemerkt – aber das ist natürlich nebensächlich an dieser Stelle – schreibt sie auch für die rechte und ausländerfeindliche SVP. Auf solch ein Milieu zu stoßen ist offenbar unumgänglich, wenn man sich mit die Achse des Guten beschäftigt.

Aber zurück zum Thema. Das Buch reklamiert im Titel für sich „die Wahrheit“, wird aber wohl eher mit dieser Rezension im amerikanischen Amazon besser beschrieben sein:

When you encounter studies or polls you do not agree with, you discount them. When you find supportive info, you laud it. That is the strategy used by this author, this book, and the Hudson Institute (conservative think tank).

In diese Fußstapfen will nun das neue Buch von Maxeiner und Miersch „Biokost – Ökokult. Welches Essen ist wirklich gut für uns und unsere Umwelt“ treten. Dabei ist zwar unbestritten, daß der Bioanbau auch kritisch und differenziert betrachtet werden muß. Es bleibt aber abzuwarten, ob es Maxeiner und Miersch tatsächlich zu differenzierter Kritik bringen oder nur mit Banalitäten auf Dummenfang für Oberflächliche gehen. Insbesondere darf man gespannt sein, inwieweit Umweltschutz, Vielfalt der Arten, Tierhaltung und Monopolisierung thematisiert werden. Aufgrund bisheriger Erfahrungen mit dem Auorenteam ist zu befürchten, daß das Buch nur weitere Öko-Mythen hinzufügen wird. Und natürlich bleibt noch die Frage, ob das, was von den Autoren als neuester wissenschaftlicher Stand verkauft wird, auch diesmal wieder aus einem Lehrerforum stammt oder mal von anderen Amateurseiten im Internet zusammengeklickt wurde.

Paranoiker unter sich

22. Februar 2008

Dr. Benny von der Achse des Guten prophezeit den Untergang des Abendlandes:

Britische Teenager mit Migrationshintergrund

geben einen guten Einblick auf den allmählichen Niedergang Großbritanniens

Wow, großartige Leistung, „Migrationshintergrund“ und „Niedergang“ in zwei aufeinanderfolgenden Sätzen untergebracht. Da winkt sicher auch gleich „Politically Incorrect“ mal wieder freudig erregt zurück.

Aber mal ehrlich, lieber Herr Peiser: Wo ist denn bitte der große Unterschied: ob ein paar britische Teenager glauben, 9/11 wäre ein Komplott der CIA, oder ob die Achse des Guten glaubt, der Klimawandel wäre eine Verschwörung als letzter Schritt zur Machtergreifung der Ökofaschisten? Oder eine großangelegte Selbstzenur wittern, nur weil sich die meisten Medien völlig zu recht nicht von ein paar Scharfmachern zum Abdruck ein paar dänischer dämlicher Karrikaturen erpressen lassen wollen?

Also, Herr Peiser, wer derart im Glashaus sitzt, sollte nun wirklich nicht mit Steinen werfen.

Lengsfront mit Vera und Kewil

20. Februar 2008

Während sich Broder inzwischen nicht mehr so sicher ist, ob er mit „Politically Incorrect“ bekannt ist oder bekannt sein möchte, verweist seine Kollegin auf der Achse des Guten, Vera Lengsfeld, über einen kleinen Schamumweg auf einen FAS-Artikel mitsamt zugehörigem Einleitungstext von Kewil („Fakten und Fiktionen“).

So beklagen sich also FAS-Artikel Autor Wehner, Kewil und Lengsfeld in trauter Übereinstimmung, daß zuviel Geld ungeteilt im Kampf gegen derartige Erscheinungen wie das „Progrom von Mügeln“ (Zitat Broder) ausgegeben wird. Und außerdem stört sie, „dass das Thema von Leuten besetzt wird, die weit links von der Mitte stehen“ (Wehner) und: „Ein Teil dieser Programme ist in den Händen von Linksextremen.“ (Lengsfeld).

Ja, Glückwunsch, da haben die beiden ja nun offenbar zumindestens die Misere verstanden: die Linken und – welch Überraschung – die Verfolgten des Nazi-Regimes sind genau diejenigen wenigen, die tatsächlich Willens und in der Lage sind, die benötigte Basisarbeit im Kampf gegen Rechts zu leisten. Das kann man ja auch beileibe nicht jedem Konservativen zumuten – damit ließen sich leicht gewisse Wählerschichten vergraulen.

Liebe Frau Lengsfeld und lieber Herr Wehner, wenn sie das schon soweit verstanden haben, dann könnten sie doch auch den nächsten logischen Schritt gehen. Das wäre die Erkenntnis, daß eben nicht das Problem ist, daß Rechtsextremismus überhaupt bzw. von Links bekämpft wird.

Sondern das Problem ist, daß Rechtsextremismus eben kaum von denjenigen bekämpft wird, die diese „Wirtshausschlägerei in Mügeln“ nicht so schlimm finden. Wenn Sie den Kampf gegen Rechts nicht den Linken überlassen wollen, dann tragen Sie ihn doch in die bürgerliche Mitte. Aber beschweren Sie sich nicht darüber, daß überhaupt jemand was tut.

Und, nebenbei, Frau Lengsfeld: solche Partner wie PI oder Kewil, in deren Kommentarbereich es so richtig braun herumschwappt, sind dabei jedenfalls garantiert nicht die richtigen Verbündeten, die ein Interesse am Kampf gegen den rechten Terror haben.

Faktenbrechen

19. Februar 2008

Das war eigentlich die interessanteste Frage: wie reagiert Broder, wenn man ihn direkt nach seinem gestörten Verhältnis zu Fakten befragt. Nimmt er seine Lügen als solche wahr? Hält er die Wahrheit nur für einen vernachlässigbaren Faktor bei seiner Mission? Oder glaubt er an seine Geschichten?

Die Frage kann nun als beantwortet gelten. Broder antwortet folgendermaßen auf einen Artikel von Stefan Niggemeier:

Die Polizisten der Stadt Zürich wurden nicht, wie von mir behauptet, zum Fasten sondern zu „einem gemeinsamen Fastenbrechen mit Muslimen“ aufgefordert, was sogar dort, wo Niggemeier seine Schweinehaxe bestellt, nur funktionieren kann, wenn vor dem Brechen gefastet wurde.

Broders altersdebiles Gehirn ist also einfach nicht mehr in der Lage, eine Sache und ihr genaues Gegenteil auseinanderzuhalten. „Essen“ ist für ihn also gleich „Fasten“, weil … irgendwas mit Yin und Yang und dem kosmischem Ausgleich vielleicht? Nein, das ist broderscher Unfug. Natürlich muss keiner fasten, nur weil er von Muslimen zu Dialog und Abendessen eingeladen wird. Gar kein Zweifel.

Die Eingangsfrage kann also nun folgendermaßen beantwortet werden: Broder ist schlicht senil. Er liest irgendwo etwas oberflächlich und versteht es falsch bzw. schnappt die Fehlinformationen in den einschlägigen rechten Hetzblogs auf. Und dann hindert ihn eine unglückselige Quadriga aus Selbstüberschätzung, Alterstarrsinn, Rechthaberei und Realitätsverweigerung einfach nur daran, wieder davon abzurücken. Und mit der Zeit wird so die Differenz zwischen Real- und Phantasiewelt in seinem Kopf immer größer.

Broder ist das eine, aber wie erklärt sich dieser geistige Tiefflug nun Broders offiziellem Fanklub? Man stellt dort ab auf den „Unterschied zwischen publizistischer und journalistischer Arbeit“ (Jörg Friedrich). Aus irgendeinem geheimnisvollen Grund reiche es für die publizistische Tätigkeit aus, eine Meinung zu haben und durchsetzen zu wollen. Wahrhaftigkeit könne man nur von journalistischer Tätigkeit erwarten.

Überhaupt nicht erklären kann Jörg Friedrich die berechtigte Frage, wieso er Broder gerne zugesteht, zu radikalisieren, um zwei Absätze später vor den Gefahren der Radikalisierung zu warnen. Und wieso er Broder die Polemik und Beleidigungen zugesteht, die er Niggemeier übelnimmt – obwohl letztere eher nur eine Anspielung auf erstere sein dürften. Desweiteren stören nicht die demagogischen Verdrehungen von Broder, sondern diejenigen, die darauf aufmerksam machen. Weil: da müsse doch auch mal gesagt werden, „warum ich das tue“ (Jörg Friedrich). Oder: schlimmer sei es, sich nicht „durch eine eigene Meinung angreifbar zu machen“ (Bernd). Die Hauptsache scheint, das „richtige“ Anliegen zu haben.

Wer im Broder Fanclub sitzt, muß also offenbar die absurdesten Verrenkungen unternehmen und ein gehöriges Maß an Doppelmoral aufbringen, um sein Weltbild vom provokanten Tucholsky-Nachfolger zu retten. Nun, es ist ja nichts neues, wie „geistig flexibel“ Menschen sein können, um ihr angeschlagenes Weltbild zu retten.