Thilo Sarrazin hat ein Interview gegeben, in dem sich einige Anklänge an die nationalsozialitische Propaganda finden lassen, z.B. an
- Unterteilung in nützliche und unnütze Menschen („Eine große Zahl an Arabern und Türken [...] hat keine produktive Funktion“, „zwanzig Prozent der Bevölkerung, die nicht ökonomisch gebraucht werden“)
- Vernichtungswünsche („Dieser Teil muss sich auswachsen.“)
- Überschwemmungsphantasien („Die Türken erobern Deutschland [...] durch eine höhere Geburtenrate.“)
- Rassenüberlegenheit („wenn es osteuropäische Juden wären mit einem um 15 Prozent höheren IQ“)
- Entmenschlichung („Ich muss niemanden anerkennen, der [...] ständige neue kleine Kopftuchmädchen produziert.“)
Wie nicht anders zu erwarten wird Sarrazin dabei von Broder verteidigt, dessen einziger Kritikpunkt lautet:
Sarrazin hat Recht, man könnte ihm allenfalls vorwerfen, dass er in seiner Analyse nicht weit genug geht.
Henryk M. Broder: „Deutschland in Aufruhr“
Soviel zur Einführung, denn eigentlich soll es diesmal nur um einen kleinen Randaspekt gehen.
Frage: Wie nennt es Broder, wenn Stephan Kramer, Generalsekretär des ZdJ, benennt, in welch unseliger Tradition sich die Worte von Sarrazin befinden?
Gestern hat [Stephan Kramer] auf einer Pressekonferenz zusammen mit der “Türkischen Gemeinde” den Rücktritt von Thilo Sarrazin als Vorstand der Bundesbank verlangt – mit diesen Worten: „Ich habe den Eindruck, dass Sarrazin mit seinem Gedankengut Göring, Goebbels und Hitler große Ehre erweist, er steht in geistiger Reihe mit den Herren.“ [...]
[Stephan Kramer] ist es, der sich wegen einer unsäglichen Verharmlosung des Dritten Reiches entschuldigen und von seinem Amt als Generalsekretär des Zentralrates zurücktreten sollte.
Henryk M. Broder: „Kramer, springen Sie!“
Eine „unsäglichen Verharmlosung des Dritten Reiches“ also.
Andere Frage: wie nennt man es, wenn Broder routinemäßig Nazi-Vergleiche anstellt, von denen „Kinder-Stürmer“ für die taz, die Gestapo-Gleichsetzung der Wiener Polizei und die Freisler-Vergleiche für Richter wohl nur die Spitze des Eisbergs sind und dann die verharmlosende Wirkung von Nazi-Vergleichen beklagt?
Senilität? Doppelmoral? Weggetretenheit?
Der Leser möge selbst entscheiden. Vermutlich steht derartige Selbstvergessenheit einfach ausserhalb jeder Kategorie.
Schlagworte: Berlin, Broder, Doppelmoral, Henryk M. Broder, Kramer, Nazi-Vergleiche, Sarrazin, Stephan Kramer, Thilo Sarrazin, Unterschicht