Orientierung in Kriegszeiten

By Brodaganda

Der Krieg in Georgien hat die üblichen Blogs wie alle anderen überrascht. Ein schwieriger Konflikt, daher wissen die einfachen Gemüter zunächst gar nicht, wie sie sich positionieren sollen. Aber zum Glück bieten einige Marker Orientierung: ein paar Lieblingsfeinde zitieren russische Propaganda und ein ganz unverschämter Blogger versucht sogar, eine objektive Berichterstattung einzufordern. Objektive Berichterstattung ist Gift für jedes einfache Weltbild, soetwas fordern nur die Feinde der westlichen Welt. Da fällt die Positionierung schonmal leichter.

Dann: die Friedensbewegung. Die muß natürlich verurteilt werden: wahlweise erst weil sie Russland nicht verurteilt und dann weil sie unverschämte Forderungen an Russland richtet. Glück gehabt. Man stelle sich vor, die Friedensbewegung hätte erst unverschämte Forderungen an Russland gestellt und hätte dann nichts gesagt! Die Idioten-Blogs hätten in diesem Fall unverbrüchlich an der Seite Russlands stehen müssen.

Wem das alles noch keine Orientierung bietet, dem bleibt immer noch ein absolut zuverlässiger Strohhalm: das Verhältnis zu Israel. 1000 israelische Militärberater in Georgien sind selbstverständlich nur ein antisemitisches Gerücht, aber – sie machen andererseits genauso selbstverständlich Georgien zum Freund Israels. Und ab hier befindet man sich endlich auf ideologisch gesichertem Territorium. Viva Georgien, Freund Israels!

3 Antworten zu „Orientierung in Kriegszeiten“

  1. Easy Denk sagt:

    So ein einfaches Welbild hat aber auch Vorteile. Mühelosigkeit, Sicherheit, Offensichtlichkeit, Folgerichtigkeit und somit Logik vor allem aber Richtigkeit. Und wer will schon auf der falschen Seite stehen?

  2. tom sagt:

    Eben. Doch mit Vergnügen lese ich dieses Weblog. Schön wie Brodaganda immer diese „Zementidiologen“ nicht ohne Wortwitz entlarvt :-)

    By the way: Wem gehört dieser Spickzettel?

  3. Brodaganda sagt:

    „Auf der richtigen Seite stehen“, „Freund oder Feind sein“, „dafür oder dagegen“, „bedingungslose Solidarität“ etc. Jaja, diese Phrasen, ich mag sie sehr und werd diesen Irrsinn irgendwann mal so richtig gekonnt zerpfücken. Bis dahin übe ich.

    @tom: danke! :)

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